Überdurchschnittlich hohe Investitionen in Digitalisierung

Umweltfreundliche Landwirtschaft

Für die Landwirtschaft ist es entscheidend, nachhaltig und umweltfreundlich zu arbeiten. Denn kaum eine andere Branche ist unmittelbarer vom Klimawandel betroffen und von Umweltressourcen abhängig wie die Landwirtschaft. Gleichzeitig trägt die Branche, z. B. durch Stoffeinträge in Böden und Gewässer sowie Treibhausgasmissionen, zum Klimawandel bei bzw. nimmt Umweltressourcen in Anspruch. Eine besondere Bedeutung kommt daher dem Teil der Branche zu, der sich der umweltfreundlichen Landwirtschaft zuwendet. Der nachhaltige Anbau von Lebens- und Futtermitteln sowie eine umweltbewusstere Bewirtschaftung der Betriebe sind mögliche Wege, die gesamte Branche zukunftsfähig aufzustellen.

Entsprechend der steigenden Bedeutung der Landwirtschaft für die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele wurde die Abgrenzung des Teilmarktes im Vergleich zu den vorherigen Ausgaben des Umweltwirtschaftsberichts Nordrhein-Westfalen überarbeitet. In der vorliegenden Ausgabe gliedert sich der Teilmarkt Umweltfreundliche Landwirtschaft jetzt in drei Marktsegmente, die im Folgenden dargestellt sind.

Das Marktsegment Ökologische und Regionale Landwirtschaft beinhaltet alle Bereiche der Landwirtschaft, in denen gemäß der EU-Öko-Verordnung produziert wird –folglich sowohl den ökologischen Ackerbau als auch die Aufzucht und Haltung von Tieren gemäß Öko-Kriterien. Daneben gehen auch regional vertriebene landwirtschaftliche Erzeugnisse in das Marktsegment ein. Ergänzend werden die zugehörigen landwirtschaftlichen Dienstleistungen hinzugezählt.

Das Marktsegment Agrarumweltmaßnahmen umfasst alle Tätigkeitsbereiche, in denen die Landwirtschaft als Dienstleisterin für den Umweltschutz auftritt, beispielsweise durch die extensive Bewirtschaftung von Grünland, den Vertragsnaturschutz, die Zucht bedrohter Haus- und Nutztierrassen oder die Anlage von Blüh-, Schutz- und Schonstreifen.

Im Marktsegment Umweltfreundliche Technologien für die Landwirtschaft werden etwa Maschinen und Hilfsmittel für eine umweltschonende Bewirtschaftung der Flächen dem Teilmarkt zugeordnet. Einerseits beinhaltet dies Gerätschaften, die speziell für die Anbau- und Produktionsmethoden der ökologischen Landwirtschaft benötigt werden. Andererseits werden darunter ebenfalls solche Maschinen verstanden, die zur Verbesserung des Umweltschutzes in der konventionellen Landwirtschaft beitragen, darunter auch Maßnahmen zur Unterstützung einer artDasgerechten Tierhaltung. Soweit bereits marktfähig und statistisch erfassbar, fließen auch Technologien für innovative Zukunftsansätze der Landwirtschaft in die Betrachtung ein, etwa das Precision Farming und das Vertical Farming.

Wirtschaftlicher Überblick und Entwicklung

Die Umweltfreundliche Landwirtschaft hat als Teilmarkt der Umweltwirtschaft seit 2010 beständig an Bedeutung gewonnen, zählt aber mit aktuell rund 22.000 Erwerbstätigen bzw. knapp 5 % der in der Umweltwirtschaft Nordrhein-Westfalens Beschäftigten noch zu den kleineren Teilmärkten. Gemessen an ihrer Bruttowertschöpfung stellt sie beispielsweise den kleinsten Teilmarkt (3 %) mit 1 Mrd. Euro dar. Der Schwerpunkt der Erwerbstätigkeit liegt in den Marktsegmenten Ökologische und Regionale Landwirtschaft (40 %) und Agrarumweltmaßnahmen (41 %). In der Bruttowertschöpfung nimmt das Marktsegment Umweltfreundliche Technologien für die Landwirtschaft eine stärkere Rolle ein (30 %). Gemessen in Umsätzen entspricht dies sogar einem Anteil von 53 % des Teilmarktes.

Die positive Entwicklung der Umweltfreundlichen Landwirtschaft aus den vorangegangenen Berichtsjahren setzt sich weiterhin über alle Kennwerte fort. Insbesondere legten die Ausfuhren im exportorientierten Marktsegment Umweltfreundliche Technologien für die Landwirtschaft deutlich zu (4 % p.a.). Dies verstärkt die überdurchschnittlich gute Position Nordrhein-Westfalens in diesem Bereich. Die warenbezogene Exportquote der hiesigen Umweltfreundlichen Landwirtschaft liegt mit 24,4 % deutlich über dem Bundesdurchschnitt (15,3 %). Die starke Entwicklung des Umsatzes und der Bruttowertschöpfung folgt dem Export nahezu gleichauf mit je 3,5 % jährlichem Zuwachs zwischen 2010 und 2017 bzw. 2018. Infolgedessen legte die Erwerbstätigenzahl um 1,8 % p.a. zu. Darüber hinaus sank der Anteil der geringfügig Beschäftigten in diesem sehr saisonal geprägten Arbeitsfeld um mehr als zwei Prozentpunkte.Während die Exporte (66 %) und der Umsatz (53 %) durch das Marktsegment Umweltfreundliche Technologien der Landwirtschaft klar geprägt werden, befindet sich der Großteil (81 %) der Erwerbstätigen in den beiden Marktsegmenten Ökologische und Regionale Landwirtschaft und Agrarumweltmaßnahmen. Insbesondere in diesen zwei Marktsegmenten machen geringfügig Beschäftigte einen relevanten Teil der Erwerbstätigen aus. Über alle drei Marktsegmente hinweg entsprach der Anteil der geringfügig Beschäftigten im vergangenen Jahr 38,7 %.

Als tragende Stütze für die weitere Verarbeitung und den Vertrieb von ökologischen Produkten und Dienstleistungen tragen die Marktsegmente Ökologische und Regionale Landwirtschaft und Agrarumweltmaßnahmen zusammen 718 Mio. Euro bzw. 70 % zur Bruttowertschöpfung des Teilmarktes bei. Die kontinuierlich positive Entwicklung des Teilmarktes zeigt sich ebenfalls in der detaillierten Betrachtung der Erwerbstätigenentwicklung.

Der Lokalisationsquotient der Erwerbstätigen in der Umweltfreundlichen Landwirtschaft hebt die unterschiedlichen geographischen Besonderheiten der Regionen hervor. Die flachen und weniger dicht besiedelten Wirtschaftsregionen Niederrhein, Münsterland, Aachen und Ostwestfalen zeigen im Vergleich zum Landesdurchschnitt einen überdurchschnittlichen Anteil der Erwerbstätigen in der Umweltfreundlichen Landwirtschaft
(>1,3). Der charakteristische Unterschied zwischen urban und ländlich geprägten Wirtschaftsregionen wird hier besonders deutlich.