Umweltwirtschaft NRW
Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen
Klimaschutzfunktion und Klimaanpassung des Waldes als Zukunftsaufgabe

Nachhaltige Holz- und Forstwirtschaft

Das Landesforstgesetz Nordrhein-Westfalen verpflichtet Forstwirtschaftsbetriebe dazu, Waldflächen nachhaltig zu betreuen und zu nutzen.

Die nachhaltige Forstwirtschaft zielt darauf ab, die biologische Vielfalt der Waldflächen zu erhalten sowie ihre Produktivität, Verjüngungsfähigkeit und Vitalität zu erhalten sowie die Fähigkeit, gegenwärtig und in Zukunft wichtige ökologische, wirtschaftliche und soziale Funktionen zu erfüllen. Zudem muss die Bewirtschaftung in einer Art und Weise erfolgen, die anderen Ökosystemen keinen Schaden zufügt.

Das dabei gewonnene Holz nimmt als nachwachsender Rohstoff eine wichtige Rolle beim nachhaltigen Wirtschaften ein.

Das Wertschöpfungssystem des Teilmarkts Nachhaltige Holz- und Forstwirtschaft besteht aus dem Marktsegment Nachhaltige Holzproduktion mit den zentralen Aktivitäten Forstwirtschaft und Holzeinschlag. Diese werden durch Dienstleistungen wie Waldbestandsaufnahme, forstwirtschaftliche Beratungsleistungen sowie Waldschutz und Waldbrandbekämpfung unterstützt. Die Bereitstellung des nachhaltigen Rohstoffs Holz vor der Verarbeitung in bestimmte Endprodukte erfolgt schließlich durch die Holzverarbeitung in Säge-, Hobel- und Holzimprägnierwerken.

Erwerbstätige und Umsätze der nachhaltigen Holz- und Forstwirtschaft in NRW
Wertschöpfungssystem
Innovationen
Eine Wortwolke mit aktuellen Begriffen aus der nachhaltigen Holz und Forstwirtschaft, im Mittelpunkt stehen Umweltfreundliche Imprägnierung, Brettschichtholz und weitere

Der Rohstoff Holz rückt im 21. Jahrhundert wieder verstärkt in den Mittelpunkt des Interesses. Grund hierfür ist nicht allein die steigende Nachfrage nach naturverbundenen und nachhaltigen Materialien. Holz erweist sich darüber hinaus als äußerst vielseitiger Werkstoff mit hervorragenden Materialeigenschaften.

Einsatzmöglichkeiten bestehen unter anderem als Rohstoff im Roh- und Innenausbau, als Dämmungs- bzw. feuchtigkeitsregulierendes Material oder zur Ausstattung und Möblierung. Anwendungsbereiche von Holz werden durch eine optimierte Nutzung der biogenen Reststoffe und Erschließung von Recyclingpotenzialen sowie die Nutzung biogener Bau- und Dämmstoffe erweitert. Die Vernetzung neuartiger Technologien fördert die Entwicklung digitaler Managementkonzepte für eine nachhaltige Forstwirtschaft.

Die Wordcloud verdeutlicht die Innovationsbereiche einer nachhaltigen Holz- und Forstwirtschaft. Innovationen entstehen einerseits im Hinblick auf neue Verarbeitungsformen von Holz als nachhaltigen Baustoff und auf die Entwicklung von neuartigen Verbundwerkstoffen. Andererseits lassen sich Entwicklungen in der vorgelagerten Forstwirtschaft erkennen: Vor allem der zertifizierte Anbau und innovative Waldinformations- und -managementsysteme sind interessant. In Zeiten der digitalen Vernetzung erleichtern diese eine moderne Waldbewirtschaftung, die gleichermaßen den Ertrag und den Erhalt der Biodiversität im Blick behält.

Die Grafik zeigt Innovationsschwerpunkte der Nachhaltigen Holz- und Forstwirtschaft
Die Legende zur Grafik Innnovationsschwerpunkte

Nachwachsende Holzbaustoffe

Das Potenzial des Holzbaus, schnell und kostengünstig Wohnraum mit hohem Wohlfühlfaktor zu schaffen, spielt angesichts des wachsenden Neubau- und Sanierungsbedarfs in urbanen Zentren eine zunehmend wichtige Rolle. Nachhaltige Holzbaustoffe wie Massivholz, Sperr- und Brettschichtholz als Baumaterial für Gebäude und als Ausgangsmaterial für Türen, Fenster, Treppen etc. nehmen auch bei den Innovationen eine Spitzenposition ein. Eine im Hinblick auf die Planung und Umsetzung von Holzbaulösungen geänderte NRW-Landesbauordnung hätte es nordrhein-westfälischen Unternehmen ermöglicht, sich in diesem Bereich zu profilieren und neue Märkte zu erschließen. Bislang dominiert schnellwachsendes Nadelholz als Baustoff. Die Prominenz vom bisher wirtschaftlich wenig genutzten Laubholz im Innovationsdiskurs zeigt jedoch eine Umorientierung der Forstwirtschaft hin zur naturnäheren und klimastabileren Mischwaldbewirtschaftung und den damit verbundenen benötigten Verwertungsmöglichkeiten.

Laubholz- und Laubholz-Hybrid-Produkte wie Buchen-Brettschichtholz oder Buchen-Hybrid-Brettschichtholz sind Beispiele für erfolgreiche innovative Holzbaulösungen zur konstruktiven Verwendung im Außenbereich. Laubholz-Hybrid-Produkte werden z. B. im Fahrzeugbau oder für die Innenausstattung von Flugzeugen verwendet. Softwaregestützte Komplettlösungen werden auch in Nordrhein-Westfalen fortentwickelt und angewendet. Diese Systemlösungen von der Planung zur Konstruktion, bis hin zur Logistik und Montage, werden von modernsten Softwarelösungen unterstützt, die den Holzbau, Treppenbau, die Metalleindeckung und Fassade in einer einzigen Software-Suite integrieren. Der Holzzuschnitt und die Fertigung der Tragwerke (Abbund) für Wintergärten oder Massiv-Holz-Häuser erfolgen computergesteuert und vollautomatisch.
Als diffusionsoffener und energieeffizienter Baustoff spart Holz nachhaltig und naturnah Energie, steigert den Gebäudewert, schützt vor Lärm und reguliert das Wohnklima. So werden beispielsweise auch innovative Dämmmaterialien aus Holz gewonnen: Holzfaserdämmstoffe und Faserplatten können teilweise ohne Zusätze hergestellt werden, indem das holzeigene Lignin als Bindemittel verwendet wird.

Für besondere Aufgaben eignen sich Holzverbundwerkstoffe. Diese kombinieren Holz mit anderen Materialien (u. a. Kunststoffe und Spezialfasern), um auf diese Weise die positiven Materialeigenschaften von Holz – es ist nachwachsend, wetterfest, lässt sich gut verarbeiten – mit individuellen Eigenschaften anderer Materialien zu verbinden. Verbundwerkstoffe können in einer Vielzahl von Industrien eingesetzt werden. Als vorgehängte und hinterlüftete Fassadenverkleidungen schützen sie z. B. die Gebäudehülle vor Feuchtigkeit und Regen und transportieren zugleich Feuchtigkeit nach außen. Die Innovationen in diesem Marktsegment sind eng mit Entwicklungen in den Teilmärken Materialien, Materialeffizienz und Ressourcenwirtschaft (Nachwachsende Rohstoffe und umweltfreundliche Materialien) sowie Minderungs- und Schutztechnologien verknüpft.

Holzbearbeitung und Holzwerkstoffe

Die Innovationen in diesem Marktsegment beschäftigen sich vielfach mit der Verwertungskette des Rohstoffs Holz: Wie kann dieser schneller und in größerer Vielfalt verfügbar werden, durch ökologische Verarbeitungsmethoden veredelt und schließlich möglichst langfristig genutzt und recycelt werden?
Die Holzwirtschaft in Nordrhein-Westfalen kann dank neuer Verfahren Holz teils wirtschaftlicher verarbeiten. So bieten moderne Vakuumtrockner kurze Trockenzeiten und damit rasche Verfügbarkeit von Hölzern, die auf konventionelle Weise nur schwer und langsam zu trocknen sind. Der Trockenprozess ist zudem auf vielfältige Weise regelbar – beispielsweise in Bezug auf den Luftstrom, die Temperatur und die relative Luftfeuchtigkeit. Auf diese Weise wird die Produktqualität noch verbessert.

Rund 25 % der Fundstellen im Teilmarkt Nachhaltige Holz- und Fortwirtschaft beschäftigen sich mit Innovationen im Bereich der Holzwerkstoffe. In diesem Feld zeugt wiederum die starke Auseinandersetzung mit umweltfreundlichen Imprägnierungen davon, dass die Holzwirtschaft zunehmend auf chemische Holzschutzmittel verzichtet. Als ergänzendes Merkmal der Produktqualität stehen bei der Holzbearbeitung mehr und mehr auch ökologische und gesundheitsbezogene Aspekte im Mittelpunkt.

Am Ende der Nutzungskette steht mit der stofflichen Verwertung von naturbelassenem, verleimtem oder beschichtetem Holz ein ausgewiesenes Fachgebiet der nordrhein-westfälischen Unternehmen. Durch die Verwertung von Altholz in Spanplatten, die selbst wiederum recyclingfähig sind, kann die Nutzungsdauer des Rohstoffes Holz deutlich verlängert werden. Dies trägt an wichtiger Stelle zur Ressourcenschonung bei.

Nachhaltige Forstwirtschaft

Die nachhaltige Forstwirtschaft zeugt von dynamischer Entwicklung, getragen von Vernetzungsmöglichkeiten, die die Digitalisierung mit sich bringt. Vorzeigeprojekt ist das Waldinformationssystem der RWTH Aachen. Der virtuelle Wald modelliert die realen Waldbestände als virtuelles Ökosystem und virtuellen Produktionsstandort. Die Technologien ermöglichen eine gezielte Analyse und eine darauf aufbauende Planung und Bewirtschaftung des gesamten Baumbestandes. Das Waldinformationssystem soll in Zukunft alle 240 Millionen Bäume in Nordrhein-Westfalen (ab Brusthöhendurchmesser 20 cm) erfassen und stellt nicht nur damit der Forstwirtschaft völlig neuartige Informationsmöglichkeiten, Planungsgrundlagen und Geodaten zur Verfügung. Es werden Topographien, Boden, Wege, Bebauung, Bestockung, Wildverbiss, klimatische Einflüsse usw. erfasst, die als Grundlage zur Bestimmung der Nutzungspotenziale dienen. Mobile Roboter übernehmen die Tests vor Ort, ausgestattet mit Stereo- und Laserkameras zur Berechnung der Tiefenkarten, welche dann in die Datenbank übertragen werden. Anhand weiterer Computersimulationen können Risikogebiete bei Stürmen identifiziert und in der Waldplanung berücksichtigt werden, um zukünftige Schäden zu vermeiden und eine ökonomisch wie ökologisch nachhaltige Bewirtschaftung zu erreichen.

Internationalisierung
Die wichtigsten internationalen Absatzmärkte der Nachhaltigen Holz- und Forstwirtschaft aus NRW

Der größte globale Importbedarf im Teilmarkt Nachhaltige Holz- und Forstwirtschaft besteht in den USA (12 Mrd. Euro), gefolgt von China (9 Mrd. Euro) und Japan (7 Mrd. Euro). Erst auf Rang 4 bis 7 folgen interessanterweise die westeuropäischen Länder Vereinigtes Königreich, Italien, Frankreich und Niederlande (Abbildung oben).

Durch ein ausgesprochen starkes Wachstum zeichnet sich der indische Markt aus (+28,9 % p. a.). China liegt mit einer Wachstumsrate von 18,7 % p. a. auf Rang 3, die USA mit 12,4 % p. a. auf Rang 7. Erneut fallen auch in diesem Teilmarkt die sehr kleinen Märkte Lettland (mit +19,6 % p. a. auf Rang 2) und Litauen (mit +15 % p. a. auf Rang 4) durch eine stark wachsende Nachfrage auf.

Nordrhein-Westfalen exportiert im Teilmarkt insbesondere in die Niederlande (101 Mio. Euro). Auf Rang 2 bis 8 folgen europäische Nachbarstaaten, angeführt vom Vereinigten Königreich (73 Mio. Euro), aber Frankreich (71 Mio. Euro), Belgien (70 Mio. Euro) und die Schweiz (69 Mio. Euro) liegen nahezu gleichauf.

Größe und Entwicklung der Absatzmärkte im Teilmarkt Nachhaltige Holz- und Forstwirtschaft
Die Grafik das globale Importvolumen sowie das NRW-Exportvolumen für ausgewählte Märkte der nachhaltigen Holz- und Forstwirtschaft

Europäische Ausrichtung der Holz- und Forstwirtschaft

Der Teilmarkt Nachhaltige Holz- und Forstwirtschaft ist für nordrhein-westfälische Anbieter insgesamt ein regional geprägter Markt, ihr Exportfokus liegt fast vollständig auf den europäischen Nachbarstaaten. Bedeutendster Markt für Nordrhein-Westfalen sind mit einem Exportvolumen in Höhe von 101 Mio. Euro die Niederlande. Das starke Wachstum der relativ kleinen Importmärkte Litauen und Lettland kann eine mögliche Ergänzung zur westeuropäischen Ausrichtung darstellen (mittlere Abbildung).

Nachfolgend werden fünf Absatzmärkte einer detaillierteren Analyse unterzogen, die für Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen besonders vielversprechend erscheinen (untere Abbildung). Die USA und China sind aufgrund ihres großen und dynamisch wachsenden Gesamtimportvolumens besonders relevant. Zudem entwickelten sich auch die Nordrhein-Westfalen-Exporte in diese Länder in den letzten Jahren stark, wenngleich auf einem nach wie vor eher niedrigen Niveau.

Die Niederlande, das Vereinigte Königreich und die Schweiz gehören zu den wichtigsten Absatzmärkten für Nordrhein-Westfalen und weisen zudem ein vergleichsweise hohes Nachfragewachstum auf.

Nachbarländer für Nordrhein-Westfalen bedeutender als die großen Importmärkte

Insgesamt liegt sowohl bei der globalen Nachfrage, als auch bei der Zusammensetzung der Exportströme aus Nordrhein-Westfalen ein deutlicher Fokus auf dem Marktsegment Holzbearbeitung und Holzwerkstoffe. Nur ein geringer Anteil des Marktvolumens ist auf das Marktsegment Nachwachsende Holzbaustoffe zurückzuführen.Dies trifft für alle analysierten Länder zu, mit Ausnahme der Schweiz: Hier überwiegt deutlich das Exportvolumen im Marktsegment Holzbaustoffe.

In globaler Sicht weist das Marktsegment Nachwachsende Holzbaustoffe mit 6,1 % p. a. auch ein deutlich stärkeres Wachstum auf als das Marktsegment Holzbearbeitung und Holzwerkstoffe (+0,9 % p. a.). Diesem Trend schließt sich Nordrhein-Westfalen an, mit einem kräftigen Wachstum im Marktsegment Nachwachsende Holzbaustoffe von 5,6 % p. a. und einem geringen Wachstum von 0,3 % p. a. im Marktsegment Holzbearbeitung und Holzwerkstoffe.

Während aktuell der Umsatz im Teilmarkt nach wie vor überwiegend im Marktsegment Holzbearbeitung und Holzwerkstoffe erzielt wird, zeigt sich im Trend, dass das Marktsegment Holzbaustoffe regional wie global kontinuierlich an Bedeutung gewinnt.