26.000 Erwerbstätige in NRW

Nachhaltige Holz- und Forstwirtschaft

Die Folgen des Klimawandels stellen die Holz- und Forstwirtschaft vor große Herausforderungen: Einerseits forcieren bereits heute Dürreperioden und Stürme sowie der daraus resultierende Schädlingsbefall die Notwendigkeit eines Waldumbaus. Andererseits stellt auch der Wald selber eine wichtige Ressource im Kampf gegen den Klimawandel dar.

Die nachhaltige Forstwirtschaft zielt daher darauf ab, die biologische Vielfalt, Produktivität, Verjüngungsfähigkeit und Vitalität der Wälder auch in Zeiten des Klimawandels zu erhalten. Dabei sorgen die wirtschaftenden Forstbetriebe dafür, dass die Wälder weiterhin ihre ökologische, soziale und ökonomische Funktion erfüllen können. Mittelfristig muss die Nachhaltige Holz- und Forstwirtschaft hier auch neue Wege gehen und neue Geschäftsmodelle erschließen, z. B. durch verschiedene Erholungs- und Tourismusangebote.

Als Teil dieser nachhaltigen und multifunktionalen Bewirtschaftung werden alle dazu notwendigen Dienstleistungen und Produkte im Teilmarkt Nachhaltige Holz- und Forstwirtschaft zusammengefasst. Zusätzlich umfasst der Teilmarkt alle Produkte aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz in der ersten Verarbeitungsstufe. Dazu zählen etwa Bohlen, Bretter oder Kanthölzer, aber auch Holzhackschnitzel, sowie die (Weiter-)Verwendung von Holz als umweltfreundlichem und nachhaltigem Baustoff. Dieser erfährt unter der Einhaltung von Sicherheitsstandards und -vorgaben zurzeit eine deutliche Renaissance als Alternative zu weniger umweltfreundlichen Baustoffen wie Beton.

Das Marktsegment Nachhaltige Forstwirtschaft umfasst sämtliche forstwirtschaftliche Leistungen. Diese Einordnung folgt der wirtschaftsstatistischen Klassifikation von Holzeinschlag, Forstwirtschaft und der Erbringung von Dienstleistungen für diese.

Unter dem Marktsegment Holzbearbeitung und Holzwerkstoffe werden die wirtschaftlichen Leistungen erfasst, die im Zusammenhang mit der Bereitstellung des Rohstoffes Holz zur Weiterverarbeitung („erste Verarbeitungsstufe“) stehen. Weil Holz oder holzbasierte Produkte über das Potenzial verfügen, viele erdölbasierte Rohstoffe zu ersetzen (Substitution), kommt dem Marktsegment ein besonderer Umweltnutzen zu.

Das Marktsegment Nachwachsende Holzbaustoffe erfasst die verschiedenen Bau- und Konstruktionsteile sowie Ausbauelemente aus Holz, um die Substitution nicht nachwachsender Materialien durch Holz im Baubereich explizit und differenziert zu berücksichtigen.

Wirtschaftlicher Überblick und Entwicklung

Mit rund 26.000 Erwerbstätigen oder 5,6 % der in der nordrhein-westfälischen Umweltwirtschaft Beschäftigen zählt die Nachhaltige Holz- und Forstwirtschaft zu den kleineren Teilmärkten. In den beiden größeren ihrer drei Marktsegmente – Holzbearbeitung und Holzwerkstoffe sowie Nachhaltige Holzbaustoffe – finden jeweils 39 % bzw. 43 % der Erwerbstätigen ihre Arbeit. Gemessen an seiner ökonomischen Leistung (2 Mrd. Euro Bruttowertschöpfung und 4,2 Mrd. Euro Umsatz) trägt der Teilmarkt insgesamt fast 6 % zur Umweltwirtschaft bei.

Während die Erwerbstätigkeit (+0,4 % p.a.) des gesamten Teilmarktes sich nahezu gleichauf mit der in Deutschland (+0,6 % p.a.) entwickelt, zeigt sich im Marktsegment Nachhaltige Forstwirtschaft in Nordrhein-Westfalen mit 2,5 % p.a. gegenüber der deutschlandweiten Entwicklung (1,9 % p.a.) ein etwas höheres Wachstum. Das Exportvolumen des Teilmarktes wuchs deutschlandweit und in Nordrhein-Westfalen im gleichen Maße (2,6 % p.a. bzw. 2,7% p.a.), die Steigerung von Umsatz und Bruttowertschöpfung des Teilmarktes verlief in Nordrhein-Westfalen aber etwas langsamer als im Bundesdurchschnitt. Dennoch konnte sich der Umsatz von 3,7 auf 4,2 Mrd. Euro (2010 – 2017), die Bruttowertschöpfung von 1,6 auf 2,1 Mrd. Euro (2010 – 2018) steigern.

Die Nachhaltige Forstwirtschaft, das kleinste der drei Marktsegmente, wuchs dabei am stärksten. Die Nachhaltige Forstwirtschaft konnte gegenüber 2010 2,5 % p.a. an Erwerbstätigen, 3 % p.a. an Umsatz und 4,3 % p.a. an Bruttowertschöpfung zulegen. Als standortbezogene Dienstleistung wird die Nachhaltige Forstwirtschaft jedoch nicht in der Exportbetrachtung berücksichtigt. Das Marktsegment Holzbearbeitung und Holzwerkstoffe verantwortet hier beinahe drei Viertel der Exporte des Teilmarktes.

Insgesamt muss konstatiert werden, dass sich der Teilmarkt seit 2018 in Nordrhein-Westfalen ununterbrochen im Krisenmodus befindet. Nach dem Wintersturm Friederike(Januar 2018) mit einem Schadholzanfall von ca. 2,5 Mio. Festmeter entwickelte sich eine Borkenkäferkalamität in bis dahin noch nicht bekanntem Ausmaß. Der Schadholzanfall wird für 2018 und 2019 auf jeweils 15 Mio. Festmeter geschätzt. Auch für die kommenden Jahre ist keine Entspannung zu erwarten, die Borkenkäferpopulationen entwickeln sich fast ungebremst weiter. Zur Bewältigung des Schadholzanfalls werden daher von der nordrhein-westfälischen Holzwirtschaft europaweit Holzaufarbeitungskapazitäten geordert.

Die Krise der Forstwirtschaft wird dadurch verstärkt, dass die aus dem Verkauf von Holz erzielten Erlöse so niedrig liegen, dass sie nicht einmal mehr die Investitionskosten für die nächste Baumgeneration abdecken. Die Bundesregierung unternimmt daher zusammen mit den Ländern große Anstrengungen, um die kahl gefallenen Waldflächen wieder in eine Bestockung zu bringen, die den Risiken der Forstwirtschaft besser angepasst ist. Allein im Rahmen des Nordrhein-Westfalen-Programms zur Bewältigung der Folgen der Corona-Pandemie und zur Stärkung der Zukunftsfähigkeit des Landes werden so für die Waldwirtschaft 28 Mio. Euro bereitgestellt.Das Marktsegment Holzbearbeitung und Holzwerkstoffe, insbesondere die Nadelholzsägeindustrie, verliert darüber hinaus auf absehbare Zeit ihre regionale Rohstoffbasis. Aktuell sind etwa 25 % der Holzvorräte, die in den nächsten 25 Jahren hätten geerntet werden können, schon abgenutzt. Die Auswirkungen auf die Sägeindustrie sind derzeit noch nicht absehbar, da die Produktionsanlagen jeweils auf bestimmte Holzarten optimiert sind und Umstellungen im Produktportfolio nur von wenigen Unternehmen realisiert werden können (vgl. Landeswaldbericht NRW 2019).

Die regionale Ausprägung des Teilmarktes Nachhaltige Forstwirtschaft ist stark von den geografischen Gegebenheiten einer Region abhängig. So ist es nicht verwunderlich, dass in den nordöstlichen Regionen, die allesamt einen hohen Waldanteil aufweisen, auch eine starke Ausprägung des Teilmarktes vorhanden ist. Im Vergleich dazu haben die städtisch geprägten Regionen in der Mitte und im Süden von Nordrhein-Westfalen jeweils stark unterdurchschnittliche Ausprägungen des Teilmarktes vorzuweisen.