Umweltwirtschaft NRW
Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen
Pressemitteilung

Wege einer nachhaltigen Zukunft der Nutztierhaltung in Nordrhein-Westfalen

29.01.2020 · Staatssekretär Dr. Heinrich Bottermann: Die Zielvorgabe: Tiere werden besser gehalten, Umwelt und Klima weniger belastet und die Akzeptanz der Bevölkerung steigt

Die Zukunft der Nutztierhaltung nachhaltiger zu gestalten ist ein zentrales Ziel der nordrhein-westfälischen Landesregierung. Sie will in diesem Jahr entscheidende Weichen für mehr Tierwohl, Klima- und Umweltschutz stellen und mehr Verlässlichkeit für die landwirtschaftlichen Betriebe erreichen. "Wenn wir der Tierhaltung in Nordrhein-Westfalen eine Perspektive geben wollen, dann müssen wir hier jetzt zukunftsfähige Wege aufzeigen, Zielkonflikte im Dialog auflösen und Planungssicherheit schaffen. Ziel ist es, die Tierhaltung künftig stärker als bisher auf Tierwohl und Nachhaltigkeit auszurichten", sagte Staatssekretär Dr. Heinrich Bottermann.

In den zurückliegenden Monaten wurden intensive Gespräche geführt, sowohl mit den Bäuerinnen und Bauern als auch den Akteurinnen und Akteuren der Zivilgesellschaft aus Tier-, Natur- und Umweltschutz. Auf dieser Grundlage hat das Umwelt- und Landwirtschaftsministerium am Mittwoch, 29. Januar 2020, in Düsseldorf Grundlagen einer nachhaltigen Nutztierhaltungsstrategie vorgestellt.

So soll ein "Stall der Zukunft" wichtige Erfahrungen liefern, wie Schweine tier- und umweltgerechter gehalten werden. Die Etablierung einer Tiergesundheitsdatenbank soll als Frühwarnsystem dienen. Der Fokus liegt zunächst auf der Schweinehaltung, danach wird die Strategie auf andere Tierarten ausgeweitet.

Stall der Zukunft als Blaupause für mehr Tierwohl

Um Haltungsbedingungen mit mehr Tierwohl und Umweltschutz genauer zu untersuchen, baut Nordrhein-Westfalen zurzeit gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer NRW den "Stall der Zukunft". Es sollen bis 2022 Stallneubauten entstehen, die innovative Haltungsverfahren erproben und aufzeigen. Staatssekretär Bottermann: "Ziel ist es, Landwirtinnen und Landwirten neue und bereits erprobte Praktiken anzubieten, die Tierschutz und Umweltschutz nicht gegeneinander ausspielen. Ich nehme eine große Bereitschaft in der Branche wahr, sich hier auf den Weg zu machen." Wichtige Eckpfeiler für neue Systeme sind die Verbesserung des Stallklimas, mehr Platz und mehr Beschäftigung sowie getrennte Funktions- und Klimabereiche. Bottermann: "Die Zielvorgabe lässt sich so zusammenfassen: Die Tiere werden besser gehalten, Umwelt und Klima weniger belastet und die Akzeptanz der Bevölkerung steigt."

Tiergesundheitsdatenbank als Frühwarnsystem

Ein weiterer Baustein der Nutztierstrategie ist die Tiergesundheitsdatenbank: Vorhandene Daten wie Daten aus amtlichen Kontrollen, Schlachtbefunde sowie Daten zur Arzneimittelanwendung sollen in einer Tiergesundheitsdatenbank zusammengeführt werden und als Frühwarnsystem zur Verbesserung der Tiergesundheit dienen. Das Informationssystem soll ermöglichen, jederzeit und aktuell ein umfassendes Bild über die Tiergesundheit der Nutztiere in Nordrhein-Westfalen zu erhalten. Das unterstützt sowohl die amtliche Überwachung als auch die Tierhalterinnen und Tierhalter, die mit Hilfe dieser zusammengeführten Daten frühzeitig mögliche Fehlentwicklungen erkennen und dem nachgehen können. Der Prototyp wurde Ende 2019 vorgestellt, ab Mitte 2020 soll die Datenbank schrittweise umgesetzt werden.

Mehr Engagement beim Tierwohl muss honoriert werden

Der Lebensmitteleinzelhandel steht in der Verantwortung, den anstehenden Transformationsprozess durch Preisgestaltung und Listungsverhalten mitzugestalten "Wir müssen uns über einen neuen Gesellschaftsvertrag Gedanken machen, der Antworten darauf gibt, wie der finanzielle Ausgleich für die mit höheren Tierwohl- und Umweltstandards verbundenen Mehraufwendungen erbracht werden soll. Ziel muss es ein, die mit höheren Produktionsstandards verbundenen Mehrkosten langfristig über den Markt zu decken", betonte der Staatssekretär.

Ein einheitliches staatliches Tierwohlkennzeichen sei zudem ein großer Schritt hin zu einer nachhaltigen Nutztierhaltung. "Wertschöpfung geschieht auch durch Wertschätzung; mehr Engagement im Bereich des Tierwohls muss auch honoriert werden. Wenn wir ein Mehr an Tierwohl über eine verständliche Kennzeichnung auf einen Blick sichtbar machen, können Verbraucherinnen und Verbraucher ihrer Verantwortung an der Ladentheke nachkommen", sagte Dr. Bottermann.

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