Umweltwirtschaft NRW
Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen
SF-Soepenberg GmbH • Hünxe

Reste zu Rohstoffen

Was andere wegwerfen, könnte für das Unternehmen Soepenberg interessant sein. Es produziert aus industriellen Reststoffen neue Düngemittel für die Landwirtschaft und Rohstoffe für die Industrie. "Cradle to cradle" heißt das zugrundeliegende Prinzip.

Die Geschäftsführer, davor der Schriftzug "Gesichter der Umweltwirtschaft"

Norbert Scholten steht in einer Halle, in der ein Fußballfeld Platz fände. Staub hängt in der Luft, ein Radlader schaufelt weißes Pulver von einer Box in eine andere. "Das ist ein hochwertiges Kali-Sulfat, das bei der Produktion von Biodiesel als Nebenprodukt entsteht", erklärt Scholten, geschäftsführender Gesellschafter bei Soepenberg im niederrheinischen Hünxe. Das unscheinbare Pulver steht am Anfang seiner Verarbeitung zu etwas völlig Neuem: Aus dem Reststoff wird ein Düngemittel für die Landwirtschaft.

Wem dies aus der Natur oder auch der hergebrachten Landwirtschaft bekannt vorkommt, der liegt nicht ganz falsch. Das Denken in Wertstoffkreisläufen ist direkt bei Mutter Natur abgeschaut. Nichts soll vergeudet, alles Alte wieder etwas Neues werden. "Cradle to cradle" wird dieses Prinzip heute genannt: Von der Wiege zur Wiege.

Bei Soepenberg ist dies der Leitgedanke. "Unsere Kernkompetenz ist es, aus unbedenklichen Reststoffen, die in der Industrie anfallen, sichere Düngemittel herzustellen oder aber Produkte, die wiederum für die Industrie interessant sind", erläutert Scholten, der vor seiner Zeit bei Soepenberg selbst als Landwirt tätig war. Und auch das Unternehmen hat seine Wurzeln dort, in der Landwirtschaft.

Aus den Niederlanden nach NRW

Angefangen hat alles 1954 in der Nähe von Zwolle, wo der Niederländer Jan Soepenberg mit Saat- und Pflanzgut sowie mit Stroh und Heu zu handeln begann. "Mein Vater kam aus einer Familie von Viehhändlern", erzählt Richard Soepenberg, ebenfalls geschäftsführender Gesellschafter. "Aber er wollte nicht nur Kühe verkaufen, sondern sich beruflich breiter aufstellen." In den 1960er Jahren kam der Kartoffelhandel hinzu. "Schon mein Vater war daran interessiert, aus anfallenden Reststoffen noch etwas Sinnvolles zu machen", so der Agraringenieur. Ende der 1980er Jahre stellte das Unternehmen zunehmend Düngemittel aus sekundären Rohstoffen her. Zusätzlichen Auftrieb erhielt dieses Geschäftsfeld durch das damals in Deutschland eingeführte Kreislaufwirtschaftsgesetz, das den Fokus nicht auf die Entsorgung von Reststoffen, sondern auf die Vermeidung und Wiederverwertung legte.

2004 eröffnet Soepenberg seine deutsche Firmenzentrale im nordrhein-westfälischen Hünxe; ein Standort, der dem Unternehmen neue Absatzmöglichkeiten und eine gute Anbindung an zahlreiche Industrieunternehmen erschließt. "Hier im Ruhrgebiet zu sein hat für uns viele Vorteile, zum Beispiel bekommen wir hier die Stoffe, die wir brauchen. Außerdem gefällt mir die Mentalität in Nordrhein-Westfalen, sie ähnelt der in meiner Heimat", sagt der Niederländer Soepenberg. In Hünxe konnten Teile eines ehemaliges Tanklagers übernommen und nach einer aufwendigen Sanierung des Geländes für die Lagerung von Flüssigdünger genutzt werden. Mittlerweile hat das Unternehmen 80 Beschäftigte und neben der Zentrale in Hünxe vier weitere Standorte in Deutschland, zwei in den Niederlanden, zwei in der Slowakei und je einen in Ungarn und Tschechien.

Die Firmengebäude an einer Straße

Schritt für Schritt neue Kreisläufe schließen

Wenn man es als gesamtwirtschaftliches Konzept betrachtet, ist „Cradle to cradle“ weit weg von unserer Wirklichkeit. Doch bei Soepenberg ist man zupackend – und kultiviert den Blick für neue Möglichkeiten.
Vor Norbert Scholten auf dem Tisch stehen zwei blaue Plastikkisten, in denen sich etwa drei Dutzend kleine Plastikbehälter mit schwarzen Deckeln befinden. Norbert Scholten zieht einige Behälter heraus, und stellt sie wieder zurück. Er sucht einen ganz bestimmten. „Hier – das ist unser DS-Kalk. Das war eines unserer ersten Düngemittel.“ Der Kalk stammt aus Abwässern, die bei der Sodaproduktion anfallen. Im Angebot sind noch einige weitere Düngemittel auf Kalkbasis, zum Beispiel eines, das mit Kaliumhydroxid versetzt wird. Das Kaliumhydroxid stammt aus der Photovoltaikzellen-Produktion. „Das ist eine Kernaufgabe des Unternehmens: Wir suchen nach den Quellen, wo normalerweise etwas weggeworfen würde. Und wenn es lohnend erscheint, machen wir daraus ein neues Produkt. So sind im Laufe der Zeit ein ganze Menge von ressourcenschonenden Stoffströmen entstanden“, erläutert Norbert Scholten. Das neuste Produkt von Soepenberg heißt „SaniCal“ und besteht aus fein gemahlenem Kalk. Es wird mit Stroh zusammen in die Liegeboxen von Kühen, aber auch in Hühner- und Putenställe gestreut, um auf natürliche Weise Keime abzutöten.

Zwischen 80.000 und 100.000 Tonnen kalkhaltiger Produkte verkauft das Unternehmen pro Jahr. Auch ein Gartendünger ist im Programm, dieser entsteht aus vergorener Melasse aus der Bioethanol-Produktion. „Wir haben langjährige Erfahrung damit, etwas Neues aus Reststoffen zu machen und dadurch die Stoffkreisläufe zu schließen. Deshalb kommen auch immer mal wieder mögliche Partner auf uns zu und fragen, ob ein bestimmter Reststoff zur Wiederverwertung geeignet wäre.“

Forschung und Verantwortung

Das Unternehmen ist ständig auf der Suche nach neuen Produkten und unterhält dafür eine eigene Abteilung "Forschung und Entwicklung" und Forschungskooperationen mit den Hochschulen Rhein-Waal (Kleve), Bonn, Magdeburg und Dresden. Jedes Jahr absolvieren Bachelor- und Masterstudenten ihre Abschlussarbeiten in dem Betrieb.

Tatsächlich ist es immer wieder eine umwelttechnische Herausforderung, auf diese Weise neue Produkte zu erschließen. Denn längst nicht jeder Reststoff kann sinnvoll verwertet werden. Das gilt besonders in der Landwirtschaft. "Wir haben eine große Verantwortung, das ist uns bewusst: Auf dem Acker, der mit unseren Düngemitteln gedüngt wurde, wächst der Salat, den die Verbraucher essen", so Scholten, "deshalb ist es uns wichtig, mögliche Schadstoffwerte der eingesetzten Reststoffe sowie unserer Produkte ständig zu überprüfen und alle gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte einzuhalten."

Gesundes Wachstum steht im Vordergrund

Die beiden Geschäftsführer rechnen damit, dass Soepenberg auch in Zukunft weiter wachsen wird, vor allem bei den Industrieprodukten. "Aber Wachstum steht für uns nicht an erster Stelle", betont Richard Soepenberg. "Ein gesunder Umsatz, eine gutes Personalmanagement und Teamgeist sind mir erst einmal wichtiger. Erst dann können wir Wachstum erreichen." Natürlich habe man auch die Konkurrenz im Blick, deutschlandweit gebe es einige Unternehmen, die in vergleichbaren Feldern tätig sind. Dennoch: "Wir sind beide überrascht, mit welcher Geschwindigkeit wir in den letzten Jahren gewachsen sind", so Norbert Scholten, "weil immer mehr potenzielle Reststofflieferanten auf uns zu kamen und auch die Nachfrage immer größer wurde." (js/lhz)
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Die Soepenberg GmbH ist ein Unternehmen der nordrhein-westfälischen Umweltwirtschaft. Rund 80 Beschäftigte verwandeln Reststoffe in Rohstoffe für Landwirtschaft und Industrie. Umweltwirtschaft – Vorsprung für NRW.

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