Umweltwirtschaft NRW
Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen
Steigende Nachfrage und starke Innovationskompetenz

Umweltfreundliche Landwirtschaft

Umweltfreundliche Landwirtschaft im Sinne dieses Berichtes ist der ökologische Anbau von Lebens- und Futtermitteln, der einem ganzheitlichen Ansatz folgt und durch die EU-Verordnung zum ökologischen Landbau geregelt wird. Sie ist in den letzten zwei Jahrzehnten zu einem bedeutenden Markt herangewachsen.

Die steigende Nachfrage nach ökologischen Lebensmitteln, die zunehmende Sorge um die Nachhaltigkeit der Bewirtschaftung von landwirtschaftlichen Böden und der Wissenszuwachs beim Bewirtschaften in Nährstoffkreisläufen mit ausgedehnten Fruchtfolgen haben dazu geführt, dass die ökologische Landwirtschaft als beispielhaft für praktizierten Umweltschutz wahrgenommen wird. Sie ist auf langfristigen Erhalt ausgerichtet und dient der Sicherung der Lebensgrundlagen. Dabei verzichtet sie auf eine synthetische Unterstützung bei der Bewirtschaftung, z. B. mit Mineraldünger und chemischen Pflanzenschutzmitteln.

Grafik zeigt Erwerbstätige und Umsätze (in Mio. Euro) im Teilmarkt Umweltfreundliche Landwirtschaft in Nordrhein-Westfalen 2012 nach Marktsegementen. 79% sind im Bereich Ökologischer Landbau tätig, 21% in dem Segment Grüne Agrartechnologie. Umsatzsteigerung von 2009 auf 2012 liegen bei 37,2% und 29,9%.

Neben den Produkten, die von der ökologischen Landwirtschaft erzeugt werden („Bio-Produkte“) lassen sich dem Teilmarkt Umweltfreundliche Landwirtschaft auch Technologien und Anwendungen zurechnen, die zu einer umweltschonenden Landbewirtschaftung beitragen:

Das Marktsegment Ökologischer Landbau beinhaltet, angefangen beim ökologischen Anbau von ein- und mehr- jährigen Pflanzen und der ökologischen Aufzucht und Haltung von Tieren mit den direkt daraus resultierenden pflanzlichen und tierischen Erzeugnissen, alle Bereiche der Landwirtschaft. Ergänzend werden die zugehörigen landwirtschaftlichen Dienstleistungen hinzugezählt.

Das Marktsegment Grüne Agrartechnologien umfasst Maschinen und Hilfsmittel für eine umweltschonende Landbewirtschaftung. Hierzu gehören einerseits Gerätschaften, die speziell für die Methoden der ökologischen Landwirtschaft benötigt werden. Andererseits fallen darunter ebenfalls Maschinen, die zur Verbesserung des Umweltschutzes in der konventionellen Landwirtschaft beitragen, auch wenn nicht der gesamte Produktionsprozess den Grundsätzen ökologischer Landwirtschaft entspricht. Dazu gehören unter anderem Agrartechnik zur Unkrautregulierung (z. B. Präzisionshacken und Schlepper zum Abflammen), bodenschonende Bereifung für Agrarfahrzeuge, Mähdrescher mit zwei- oder mehrphasigen Trennsystemen für Mischkulturen sowie für den ökologischen Landbau zugelassene Pflanzenschutzmittel (beispielsweise Schwefel-, Kalium- oder Eisenpräparate, Ethylen, Öle).

Wertschöpfungssystem
Wertschöpfungssystem des Teilmarkts Umweltfreundliche Landwirtschaft
Regionale Bedeutung des Teilmarktes
Regionale Bedeutung des Teilmarkts Umweltfreundliche Landwirtschaft sowie Erwerbstätige 2012 nach Marktsegmenten. Einen maximal hohen Lokalisationsquotienten haben Ostwestfalen-Lippe, der Niederrhein und das Münsterland; die meisten Erwerbstätigen arbeiten im Münsterland und am Niederrhein.
Unternehmen und Märkte

Insgesamt werden in Nordrhein-Westfalen 4,8 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche ökologisch bewirtschaftet. Der Anteil der erzeugenden Öko-Betriebe an allen landwirtschaftlichen Erzeugungsbetrieben liegt in Nordrhein-Westfalen bei ca. 5,2 %.

Die regionale Bedeutung des Teilmarkts korreliert mit dem Anteil landwirtschaftlicher Flächen in den einzelnen Regionen. Daher liegt insbesondere in Ostwestfalen-Lippe, dem Münsterland und am Niederrhein eine sehr hohe Spezialisierung vor.

Das Marktsegment Grüne Agrartechnologien ist in Ostwestfalen-Lippe besonders ausgeprägt. Es wird von einem der bedeutendsten Landmaschinenhersteller weltweit dominiert. Daneben werden von spezialisierten mittelständigen Betrieben z. B. Maschinen zur thermischen Unkraut- und Vegetationsregulierung, zum Mähen und Mulchen, zur Bodenbearbeitung und zum Einsatz im Garten- und Landschaftsbau produziert. Darüber hinaus bieten einzelne Unternehmen biologische Schädlingsbekämpfung oder Gesundheits- und Vorratsschutz im ökologischen Sinne an.

Vernetzung, Forschung und Innovation

Überregional tätige Verbände sorgen maßgeblich für die Netzwerkbildung in diesem Feld, etwa der Bund für ökologische Lebensmittelwirtschaft, die Vereinigung ökologischer Landbau und die anerkannten Verbände für ökologische Landwirtschaft wie z. B. Biokreis, Bioland, Demeter und Naturland. Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen stellt im Auftrag des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen ein Informationsportal zu allen Themen des ökologischen Landbaus von Pflanzenbau bis Tierhaltung, von Vermarktungswegen bis hin zu Fördermaßnahmen zur Verfügung.

Unternehmen aus dem Marktsegment der Grünen Agrartechnologien werden deutschlandweit u. a. durch den VDMA Landtechnik vernetzt. Forschung und Lehre im Bereich der ökologischen Landwirtschaft finden sowohl in speziellen Studiengängen als auch integriert in Ausbildungsgängen oder im Rahmen des Studiums der Agrarwissenschaften und der Landtechnik statt. Wichtige Forschungsinstitute sind unter anderem die landwirtschaftlichen Institute an der Universität Bonn, vor allem das Institut für Organischen Landbau und das Institut für Landtechnik, die Fachhochschule Südwestfalen, die Hochschule Rhein-Waal sowie Haus Riswick und Haus Düsse als Versuchs- und Bildungszentren Landwirtschaft der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen.

Mit Blick auf die absolute Anzahl angemeldeter Patente im Jahr 2012 lässt sich für die Umweltfreundliche Landwirtschaft zwar ein geringeres Innovationspotenzial als in anderen Teilmärkten feststellen. In Relation zur geringen Anzahl der Erwerbstätigen ist die Zahl der Patente jedoch sehr hoch. Erwartungsgemäß steht dabei das Marktsegment Grüne Agrartechnologien im Vordergrund, in dem 181 Patente/1.000 Erwerbstätige für das Jahr 2012 verzeichnet wurden, mehr als in jedem anderen Marktsegment aller Teilmärkte. In Nordrhein-Westfalen konnten dabei insbesondere im Bereich Erntemaschinen und Precision Farming (Digitale Systeme) Innovationen erzielt werden.

Außenhandel

Das Exportvolumen des Teilmarkts Umweltfreundliche Landwirtschaft umfasst insgesamt 440 Mio. Euro (2012). Der Anteil aus Nordrhein-Westfalen an der gesamten Ausfuhr aus Deutschland lag 2012 bei ca. 6 %. Der Anteil des Teilmarktes am Weltmarkt erreicht 1 %. Mit einem Wert von 0,50 beim Spezialisierungsindikator RXA89 weist Nordrhein-Westfalen in diesem Teilmarkt gemessen an seinen Gesamtexporten eine stark unterdurchschnittliche Ausfuhr auf.

Die beiden Marktsegmente unterscheiden sich in ihrer jeweiligen Ausprägung deutlich. Fast 70 % entfällt auf den Ökologischen Landbau, der somit prägend für die geringe Außenhandelsperformance des Teilmarkts ist. Demgegenüber ist der Nordrhein-Westfalen-Anteil an der deutschlandweiten Ausfuhr im Marktsegment Grüne Agrartechnologien mit knapp 19 % vergleichsweise hoch, was auch in dem RXA (zu Deutschland) von 1,13 zum Ausdruck kommt. Bemerkenswert ist insbesondere die Steigerung der Ausfuhren bei der Grünen Agrartechnologie um knapp 50 % zwischen 2009 und 2012. Das zugehörige Gesamtvolumen stellt mit fast 0,1 Mrd. Euro jedoch nur ca. 1 % des gesamten Exporthandelsvolumens der Umweltwirtschaft. Bevorzugte Zielländer für Güterexporte aus dem Teilmarkt Umweltfreundliche Landwirtschaft liegen im europäischen Ausland, allen voran in den Niederlande und Frankreich. Zu den meistexportierten Gütern gehören spezialisierte Landmaschinen (Exportvolumen 2012: rund 70 Mio. Euro) und tierische Erzeugnisse (Exportvolumen 2012: ca. 100 Mio. Euro).

Markttreiber und Trends

Die steigende Nachfrage der Verbraucher nach regionalen Bio-Produkten bietet in den kommenden Jahren gute Perspektiven und Absatzchancen für Ökolandwirte.

Die Branche hat sich in den vergangenen Jahren umfassend professionalisiert und der gesamte Bio-Markt hat sich globalisiert. Daneben haben Einkaufs- und Vertriebsgemeinschaften und eine zunehmende Differenzierung bei den Produkten, bei den Absatzwegen und den Marktstrategien zur Konsolidierung des Bio-Marktes in Nordrhein-Westfalen geführt. Durch offizielle Bio-Siegel können Produkte und Güter aus ökologischer Landwirtschaft leicht als umweltfreundliche Substitute von konventionellen Produkten unterschieden werden.

Die Umsätze sind auch in der ökologischen Landwirtschaft von den heimischen Erntemengen, der Marktsituation sowie den Preisen abhängig. Unter Experten gilt, dass hohe Weltmarktpreise für konventionelle Erzeugnisse, der Flächenbedarf für die Nährstoffverwertung in intensiven Tierhaltungsregionen und der steigende Bedarf nach nachwachsenden Rohstoffen zur energetischen Nutzung insbesondere in Biogasanlagen die Wettbewerbsfähigkeit der konventionellen Landwirtschaft begünstigen können und Triebkräfte für steigende Pachtpreise sind. Anziehende Pachtpreise schmälern die relative Vorzüglichkeit des ökologischen Landbaus. Aufgrund der aktuell steigenden Nachfrage nach Bio-Fleisch können in diesem Bereich künftig Zuwächse erwartet werden, wobei die nordrhein-westfälischen Landwirte hier wie in anderen Märkten dem Wettbewerb ausgesetzt sind. Die Nähe zur Kundschaft und die Bevölkerungsdichte von Nordrhein-Westfalen eröffnen dabei gute Vermarktungsperspektiven.

Um eine dauerhaft positive Entwicklung der ökologischen Landwirtschaft und ein breiteres Angebot aus heimischer Produktion zu erreichen, sind die Fördersätze für die Umstellung auf ökologischen Landbau je Hektar landwirtschaftlicher Fläche in der neuen Förderperiode erhöht worden. Ziel dabei ist die Ausdehnung der ökologischen Anbaufläche. Aus zwei Gründen stellt die Ausdehnung des ökologischen Landbaus eine besondere Herausforderung für alle Akteure der Wertschöpfungskette dar:

Erstens konkurrieren die Erzeugung von Biomasse zur energetischen Nutzung und die konventionelle Landwirtschaft insbesondere in den intensiven Tierhaltungsregionen um die knappen Flächen. 

Zweitens werden aufgrund der Zunahme von Siedlungs- und Verkehrsflächen laufend landwirtschaftliche Flächen dauerhaft aus der Nutzung genommen, die verfügbaren Anbauflächen verringern sich entsprechend.

Auf Seiten der Grünen Agrartechnologien möchte die Branche vor allem durch Effizienzsteigerungen bei der Agrartechnik die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft in Deutschland erhalten, wobei der künftige Trend hin zu einer umfassenden Ressourceneffizienz durch eine ganzheitlichen Sichtweise und integrierte Prozess-Perspektive geht. Weitere Wachstumschancen ergeben sich durch den Export von Landmaschinen in Länder, in denen sich moderne Landtechnik noch nicht durchgesetzt hat, z. B. China und Russland. Teilweise steht der Protektionismus in diesen Ländern den erhofften Absatzchancen allerdings derzeit entgegen.

Neue Absatzchancen ergeben sich zudem durch Innovationen, die neue Märkte erschließen. Im Vordergrund steht die innovative IT-basierte Informationsverarbeitung, z. B. intelligente Vernetzung und Cloud-Computing.