Umweltwirtschaft NRW
Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen
Eine zentrale Region für die Umweltwirtschaft Nordrhein-Westfalens

Regionalprofil Köln/Bonn

Gemessen an der absoluten Zahl der Erwerbstätigen ist die Region Köln/Bonn mit über 48.000 die zweitgrößte Region für Umweltwirtschaft in Nordrhein-Westfalen.

In den letzten Jahren konnte sich die Branche stark entwickeln. Das Beschäftigungswachstum zwischen 2009 und 2012 war mit knapp 10 % fast doppelt so groß wie das der Gesamtwirtschaft (5,1 %). Diese Entwicklung geht einher mit einer insgesamt sehr positiven Entwicklung der Region, die wirtschaftsstrategisch charakterisiert als „Tausendfüßler“ sehr breit aufgestellt ist und keine punktuellen Spezialisierungen zeigt. Vor dem Hintergrund der ausgesprochen positiven demographischen Entwicklung stellt die Region Köln/Bonn die Region mit den besten Entwicklungsaussichten in Nordrhein-Westfalen dar. Im Vergleich zur Wirtschaftskraft insgesamt ist die Umweltwirtschaft in der wirtschaftlich breit aufgestellten Region daher unterdurchschnittlich ausgeprägt. Der Lokalisationsquotient beträgt 0,89.

Den größten Stellenwert der Umweltwirtschaft in der Region nimmt der Teilmarkt Umweltfreundliche Mobilität mit knapp 15.000 Erwerbstätigen ein. Der Großteil davon entfällt auf das Marktsegment Umweltfreundliche Mobilitätsdienstleistungen & Logistik. Die Region Köln/ Bonn weist hier mit einem Lokalisationsquotienten von 1,22 eine hohe Spezialisierung auf. Dies hängt vor allem mit dem stark entwickelten öffentlichen Nahverkehrssystem zusammen. Darüber hinaus stellt die Region durch ihre zentrale Lage am Rhein eine Logistikdrehscheibe dar, insbesondere als Hinterland der Seehäfen in den Niederlanden. Mit führenden Logistikunternehmen wie DHL und UPS, aber auch mit einer stark ausgeprägten Schienenlogistik ist die Region im Marktsegment gut aufgestellt.

Im Marktsegment Umweltfreundliche Mobilitäts- und Antriebstechnologien sind des Weiteren ca. 1.500 Erwerbstätige tätig. Der Automobilstandort Köln mit der Europazentrale von Ford und den Deutschlandzentralen von Toyota, Citroen und Volvo sowie wichtigen Zulieferern wie der Deutz AG und angrenzenden Unternehmen hat das Potenzial, die Entwicklung umweltfreundlicher Antriebstechnologien weiter voranzutreiben. Dies zeigt sich auch in der Patentauswertung, die der Region in diesem Bereich mit einem Wert von 13,7 Patenten/1.000 Erwerbstätige eine hohe Innovationsintensität ausweist. Die Entwicklung alternativer Kraftstoffe wird in der Region unter anderem von der Unternehmensinitiative HyCologne – Wasserstoff Region Rheinland vorangetrieben. Darüber hinaus hat sich in der Region Köln/Bonn die Produktion von Biokraftstoffen etabliert. Prägend ist dabei u. a. Evonik Industries am Standort Lülsdorf. Diese Entwicklung schlägt sich auch in einem starken Umsatzwachstum nieder. Zwischen 2009 und 2012 verdreifachte sich der Umsatz im Marktsegment auf 1,5 Mrd. Euro. Im Segment Intelligente Verkehrsmanagementsysteme und Infrastruktur kann die Region bedeutsame außeruniversitäre Forschungsinstitute aufweisen. Unter anderem legt das Bonner Max-Planck-Institut für Gemeinschaftsgüter einen Fokus auf Verkehrs- und Versorgungsinfrastrukturen und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln erforscht neue Straßenfahrzeuggenerationen sowie die Bereiche Verkehrsmanagement und Verkehrssysteme. Als wichtige Forschungseinrichtungen sind hier u. a. das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität zu Köln sowie verschiedene Lehrstühle der Fachhochschule Köln zu nennen.

Unternehmenslandschaft

Als einer der wichtigsten Chemie-Standorte Europas mit Konzernen wie Bayer, Lanxess und LyondellBasell ist die Region auch im Thema umweltfreundliche Materialien gut positioniert. Die hohe Spezialisierung im entsprechenden Marktsegment Nachwachsende Rohstoffe und umweltfreundliche Materialien wird durch den Lokalisationsquotienten von 1,22 deutlich. Diese Spezialisierung wird durch eine im Thema gut positionierte Forschungsinfrastruktur gestützt. Die Universität Köln sowie die FH Köln bieten ein attraktives Umfeld. Aufgrund einer vergleichsweise gering ausgeprägten Abfallwirtschaft fällt der Teilmarkt Materialien, Materialeffizienz und Ressourcenwirtschaft insgesamt im Vergleich zu anderen Regionen Nordrhein-Westfalens klein aus. Die Region ist jedoch auch hier mit innovativen Ansätzen präsent. Mit dem Projekt :metabolon im oberbergischen Lindlar wurde ein Entsorgungszentrum der AVEA mbH Bergischer Abfallwirtschaftsverband zu einem kooperativen Lern-, Freizeit- und Innovationsort für Stoffumwandlung und standortbezogene Umwelttechnologie umgestaltet.

Neben diversen Sport- und Freizeitangeboten umfasst das Gelände ein auf Nachhaltigkeit ausgerichtetes Gewerbegebiet, Forschungseinrichtungen und ein Energiekompetenzzentrum. Partner aus der Forschung sind u. a. FH Köln, RWTH Aachen, Uni Bonn und Uni Siegen. Auch die Abfallwirtschaftsbetriebe der Stadt Köln (AWB) engagieren sich vielfältig in innovativen technologischen Lösungen der Umweltwirtschaft.

Von großer Bedeutung ist außerdem die Wasserwirtschaft mit knapp 10.000 Erwerbstätigen. Profilieren kann sich die Region Köln/Bonn vor allem in der Herstellung von Produkten für die Wasser- und Abwasserinfrastruktur. Auffallend ist das starke Wachstum im Segment Wassergewinnung, -aufbereitung und Abwasserbehandlung. Hier hat die Region zwischen 2009 und 2012 um 38 % zugelegt und profitiert von der starken Chemiebranche und Innovationsprojekten wie aqualon oder der Kompetenzplattform STEPS. Aktiv ist die Region hier außerdem in den Fragen des Hochwasserschutzes mit umwelttechnischen Lösungen und in der Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Herausragend ist die Region außerdem im Teilmarkt Minderungs- und Schutztechnologien. Die Region Köln/Bonn zeigt hier mit knapp 1.800 mehr Erwerbstätige als jede andere Region in Nordrhein-Westfalen. Im Marktsegment Bodenschutztechnologien und -sanierung ist die Region mit einem Lokalisationsquotienten von 1,51 sehr hoch spezialisiert.

Besonders fokussiert werden in der Region die hochtechnologischen Forschungs- und Kompetenzfelder Stoffumwandlung und standortbezogene Umwelttechnologie, innovative Konzepte und Technologien bzw. Chemikalien zur Wasserreinigung und -aufbereitung, innovative Werkstoffe sowie Konzepte für den modernen Verkehr (u. a. E-Mobilität, Wasserstoff/Brennstoffzelle). Die Region Köln/Bonn verfolgt in ihrer Regionalentwicklung zudem das Ziel einer „smart region“ mit vielfältigen Anknüpfungspunkten für die Teilmärkte der Umweltwirtschaft. Neben dem Verein Region Köln/Bonn e. V., der diese Zielsetzung aktiv unterstützt, zeigt auch der Umstand, dass Köln den Standortwettbewerb des EU-Leuchtturmprojektes GrowSmarter für sich entscheiden konnte, dass Klimaschutz und UrbanTech auf der Agenda der Stadt angekommen sind. Köln, zusammen mit Stockholm und Barcelona, ist eine Leitstadt des Projektes, welches in den nächsten fünf Jahren Leittechnologien zu implementieren versucht. Dabei geht es zum einen um die Umsetzung ehrgeiziger Klimaschutzziele in den Bereichen Steigerung der Energieeffizienz und Reduktion der Treibhausgase mithilfe Erneuerbarer Energien und zum anderen um die effiziente Integration städtischer Infrastrukturen, um die Dienstleistungen für Bürgerinnen und Bürgern zu verbessern (Partner: Stadt Köln, RheinEnergie AG und [ui!] the urban institute®).