Umweltwirtschaft NRW
Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen
Herausragende Kompetenzen bei Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik

Energieeffizienz und Energieeinsparung

Energiesparen und Energieeffizienzsteigerung bilden neben dem Ausbau der Erneuerbaren Energien die Grundlage der Energiewende. Durch einen reduzierten Energieverbrauch werden Emissionen aus der Energiewandlung verringert, Ressourcen geschont und gleichzeitig Energiekosten gespart. Dies kann besonders im industriell geprägten Energieland Nordrhein-Westfalen sowohl Innovationen vorantreiben und wirtschaftliche Chancen bieten als auch kostengünstig dazu beitragen, Klimaschutzziele zu erreichen.

Das Marktsegment Energieeffiziente Gebäude umfasst Produkte und Dienstleistungen, die die Energieeffizienz von Wohn- und gewerblich genutzten Gebäuden erhöhen. Neben Wärmedämmung, Isolierung und den zugehörigen Materialien, z. B. Dämmplatten und Isolierverglasungen, leistet Gebäudetechnik einen entscheidenden Beitrag zur Energieeffizienz. Schlüsseltechnologien sind dabei unter anderem spezielle Lüftungstechnik, LED-Beleuchtung, Blockheizkraftwerke und wärmepumpenbasierte Heizungssysteme. Systemlösungen wie Passivhäuser und IKT-basierte Smart-Home-Systeme ergänzen das Marktsegment.

Grafik zeigt Erwerbstätige und Umsätze (in Mio. Euro) im Teilmarkt Umweltfreundliche Energieeffizienz und Energieeinsparung in Nordrhein-Westfalen 2012 nach Marktsegementen. 77% sind im Bereich Energieeffiziente Gebäude tätig; Umsatzsteigerungen in beiden Teilbereichen ca. um 5%.

Einsparpotenziale liegen auch in energieverbrauchenden Prozessen, besonders in der industriellen Produktion. Die Technologien, die diese Potenziale erschließen, bilden das Marktsegment Energieeffiziente Produktionsprozesse und Technologien. Dazu gehört unter anderem die Automatisierung und bessere Steuerung von Prozessen, Regel und digitale Vernetzungstechnik (Stichwort Industrie 4.0) sowie Wärmerückgewinnung und Abwärmenutzung.

In beiden Marktsegmenten spielen auch Dienstleistungen zur Konzeption, Errichtung oder Implementierung energieeffizienter Gebäude und Technologien eine entscheidende Rolle, z. B. einschlägige Architektur, Bau, Design und Installation.

Unter Verwendung unspezifischer Vorleistungen und Rohstoffe werden im Marktsegment Energieeffiziente Gebäude Gebäudetechnik und Isolier- bzw. Dämmmaterialien hergestellt. Diese werden basierend auf Architektur-, Planungs- und Beratungsleistungen, gegebenenfalls auch auf Contracting-Schemata durch Handwerk und Bau in energieeffiziente Gebäude umgesetzt.

Im zweiten Marktsegment Energieeffiziente Produktionstechnologien werden technische Komponenten und Geräte entwickelt und gefertigt. Außerdem findet Wertschöpfung statt, wenn diese unter Rückgriff auf Planungs-, Beratungs und IT-Dienstleistungen in Produktionsmaschinen und -prozessen installiert werden.

Wertschöpfungssystem
Wertschöpfungssystem des Teilmarkts Energieeffizienz und Energieeinsparung
Regionale Bedeutung des Teilmarktes
Regionale Bedeutung des Teilmarkts Energieeffizienz und Energieeinsparung sowie Erwerbstätige 2012 nach Marktsegmenten. Einen maximal hohen Lokalisationsquotient hat das Münsterland; die meisten Erwerbstätigen die Region Metropole Ruhr.
Unternehmen und Märkte

Der Teilmarkt Energieeffizienz und Energieeinsparung besteht aus Dienstleistern und Herstellern  unterschiedlichster Branchen vom Baugewerbe über den Maschinenbau bis hin zu digitaler Informations- und Kommunikationstechnik, die durch verschiedene Leistungen das gleiche Ziel verfolgen: eine Reduktion des Energieverbrauchs entweder für Privatleute oder für Unternehmen. Dabei dominiert vor allem das  Marktsegment Energieeffiziente Gebäude mit rund drei Vierteln der insgesamt gut 60.000 Erwerbstätigen des Teilmarkts und rund 10,8 Mrd. Euro Umsatz in Nordrhein-Westfalen.

Unternehmen aus der Bau- und Baustoffindustrie sowie der Gebäudetechnik bilden mit Energieberatern und -managementdienstleistern den größten Teil des Marktsegments Energieeffiziente Gebäude. Darunter befinden sich viele kleine und mittelständische Unternehmen, die teilweise auf Energiespar- und Effizienzmaßnahmen spezialisiert sind. Es sind in Nordrhein-Westfalen jedoch auch international führende Unternehmen ansässig, vor allem aus dem Bereich Gebäudetechnik und in geringerem Maße auch dem Bereich Gebäudehüllen, die vermehrt auf Energieeffizienztechnologien setzen. Besonders ausgeprägt sind die nordrhein-westfälischen Kompetenzen in der Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik. Die mit Abstand meisten Erwerbstätigen sind im Bereich Baudienstleistungen tätig. Dieser zeigt sich einerseits hauptverantwortlich für die im Vergleich zum Bundesdurchschnitt bisher schwächere Dynamik des Marktsegments, andererseits aber auch für den herausragenden Beschäftigungsanteil des Teilmarktes im Münsterland. Laut dem Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen wurden über die Hälfte der rund 8,5 Millionen Wohneinheiten in Nordrhein-Westfalen vor Einführung der ersten Wärmeschutzverordnung 1977 gebaut und stellen somit besonders interessante Objekte für eine zukünftige energetische Sanierung dar. Noch hemmen Finanzierungsschwierigkeiten und eine allgemeine Investitionszurückhaltung der Eigentümer diese Entwicklung jedoch häufig.

Als industriell geprägtes Bundesland ist Nordrhein-Westfalen potenziell auch ein besonders großer Absatzmarkt für Technologien und Dienstleistungen, die energieeffiziente Produktionsprozesse zum Gegenstand haben. Dennoch hat das Bundesland mit knapp 18 % der bundesweiten Erwerbstätigen insgesamt keinen herausragenden Anteil am Marktsegment Energieeffiziente Produktionsprozesse und Technologien. Dies deutet darauf hin, dass die Anwenderindustrien in Nordrhein-Westfalen bei Energieeffizienzmaßnahmen vor allem auf Anbieter von außerhalb zurückgreifen. Nordrhein-Westfalen sticht in diesem Marktsegment jedoch bei den IT-Produkten und -Dienstleistungen für optimierte Prozesse und energieeffizientere Produktion heraus, z. B. integrierten Schaltungen und Beratung für Vernetzung in der Produktion. 

Vernetzung, Forschung und Innovation

Als umweltpolitisch wichtiges Thema ist Energieeffizienz auch in den Landesclustern stark vertreten und prägt die Arbeit zahlreicher Netzwerke: so zum Beispiel im Netzwerk Energieeffizientes und solares Bauen im Cluster EnergieRegion.NRW sowie im Themenfeld IKT zur Optimierung von Produktionsprozessen des Clusters IKT.NRW. Die Effizienz-Agentur NRW und EnergieAgentur.NRW bieten darüber hinaus produzierenden Unternehmen konkrete Unterstützung dabei an, Effizienzpotenziale zu erkennen und zu erschließen. Das Beratungsangebot deckt z. B. die Unternehmensbereiche Produktion, Produktgestaltung, Instandhaltung und Kostenrechnung sowie die Themenfelder CO2-Bilanzierung und Wertschöpfungsketten ab. Weiter werden zahlreiche Unternehmensnetzwerke initiiert und unterstützt. Dabei wird insbesondere der Mittelstand angesprochen.

Forschung und Innovation finden vor allem in den Hightech-Bereichen der Fertigungstechnik unter anderem in den Bereichen Industrie 4.0 oder Smart Factory statt. Hier sind neben einer ausgeprägten technikorientierten Forschungslandschaft in Nordrhein-Westfalen zahlreiche innovative Unternehmen der IKT-Branche und des Maschinenbaus ansässig, die wegweisende Modernisierung vorantreiben. Die Patentanalyse bescheinigt dem Teilmarkt mit knapp 300 Anmeldungen (2012) ein hohes Innovationspotenzial. Im Vordergrund steht das Segment Energieeffiziente Produktionsprozesse und Technologien mit 13 Patenten/1.000 Erwerbstätige. Auf das Segment Energieeffiziente Gebäude entfallen 5 Patente/1.000 Erwerbstätige, was auf die große Zahl an Unternehmen aus dem Baugewerbe zurückzuführen ist, die traditionell viele Mitarbeiter beschäftigen, aber selten eigene Forschung betreiben können. Inhaltlich kommen die meisten Patentanmeldungen aus dem Bereich der digitalen Prozesssteuerung. Ein weiteres Feld mit reger Patententwicklung bilden Effizienzverbesserungen in der Elektrotechnik. Regionale Kompetenzschwerpunkte liegen in Ostwestfalen-Lippe (Elektrotechnik, Smart-Applications), der Metropole Ruhr (IKT für effiziente Prozesse) und Südwestfalen (Gebäudeisolierung, Elektrotechnik).

Unterstützt wird die Innovation im Teilmarkt in Nordrhein-Westfalen durch einschlägige Hochschulforschungen, z.B. an der RWTH Aachen, der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen, Bocholt, Recklinghausen und der Hochschule Ruhr West. Auch die bedeutenden außeruniversitären Forschungsinstitute des Bundeslandes beschäftigen sich intensiv mit Energieeffizienz, so etwa das Forschungszentrum Jülich, das Wuppertal-Institut und das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik.

Außenhandel

Mit Ausfuhren im Wert von rund einer Milliarde Euro jährlich hat Nordrhein-Westfalen im gesamten Teilmarkt einen Weltmarktanteil von 1,4 %. Der Weltmarkt für Energieeffizienz und Energieeinsparung ist dabei der zweitgrößte der Teilmärkte der Umweltwirtschaft.

Gut zwei Drittel der Exporte im Teilmarkt generiert das Marktsegment Energieeffiziente Gebäude, das vor allem Dämmplatten (Ausfuhrvolumen 2012: knapp 200 Mio. Euro) und Isolierverglasung (rund 120 Mio. Euro) ins europäische Ausland liefert. Mit Regel-, Vernetzungs- und Messtechnik (zusammen über 300 Mio. Euro Ausfuhrvolumen in 2012) zählen jedoch auch einige der wichtigsten Exportgüter des Teilmarkts zum Marktsegment Energieeffiziente Produktionsprozesse und Technologien. Hier wird vor allem nach Italien, in die USA und nach China exportiert. Dennoch weist Energieeffizienz und Energieeinsparung die schlechteste Handelsbilanz aller Teilmärkte auf (minus 321 Mio. Euro). Viele Effizienztechnologien werden nach Nordrhein-Westfalen importiert und nicht dort hergestellt, v. a. Telekommunikationskomponenten für Energieeffizienz durch die Vernetzung der Produktion und der Gebäudetechnik. Mit einem der niedrigsten Werte aller Teilmärkte (rund 0,5) zeigt der Spezialisierungsindikator RXA, dass das Marktsegment insgesamt in Nordrhein-Westfalen sowohl im Vergleich zu Deutschland als auch zur Welt einen stark unterdurchschnittlichen Anteil an der Gesamtausfuhr hat.

Markttreiber und Trends

Obwohl marktreife Technologien verfügbar und durch die eingesparten Energiekosten auch wirtschaftlich erschließbar sind, bleiben ordnungspolitische Maßnahmen und staatliche Förderung nach wie vor grundlegende Markttreiber für Energiespar- und -effizienzmaßnahmen. Grund dafür sind zahlreiche Markthemmnisse wie zum Beispiel Informationsdefizite über Kosten und Einsparpotenziale, die allgemeine Scheu vor langfristigen Investitionen oder ein Investor-Nutzer-Dilemma. Die EU-Effizienzrichtlinie von 2012 fordert für den Zeitraum 2014 bis 2020 eine Einsparung von mindestens 1,5 % des jährlichen Endenergieabsatzes (gemessen am Durchschnitt von 2010–2012) und sieht die Verpflichtung zur Energieeffizienz für Energieverteiler oder -einzelhandelsunternehmen als zentrales Instrument vor. Diese ordnungspolitische Maßnahme wird durch verschiedene Förderangebote ergänzt, darunter auch ein Ausschreibungsmodell, das sich in der aktuellen Diskussion um geeignete Marktmodelle durchzusetzen scheint. Durch diese Markttreiber ist ein verstärktes Wachstum des Teilmarkts in den nächsten Jahren zu erwarten.

Gleichzeitig müssen sich Marktstrukturen verändern, um den Energiesparzielen gerecht zu werden. Energieversorger wandeln sich zu Energiedienstleistern und stocken so auch ihre schrumpfenden Margen im Energievertrieb auf. Immer beliebter wird beispielsweise das Contracting, bei dem Effizienztechnologien nicht vom Gebäudeeigentümer, sondern von Dienstleistern finanziert und betrieben werden. Auch im Außenhandel ergeben sich Chancen durch Klimaschutzziele und staatliche Förderung. Bereits jetzt ist Energieeffizienz und Energieeinsparung mit einem Welthandelsvolumen von 75 Mrd. Euro global der zweitgrößte Teilmarkt. Im EU-Ausland treibt wie in Deutschland die Energieeffizienzrichtlinie den Teilmarkt an. Global gesehen, wird der Markt jedoch vor allem in Schwellenländern wachsen, wo Effizienz und Einsparung ein Mittel gegen den wachstumsbedingt rasanten Anstieg ihres Energiebedarfs darstellen. Während die besonders beschäftigungsintensiven Baudienstleistungen von lokaler Wertschöpfung geprägt sind, liegen vor allem in den Bereichen leistungsfähiger Gebäudetechnik, Ingenieur- und Architekturdienstleistungen sowie Hightech-Produktionsmaschinen Chancen für Exportsteigerungen.