Umweltwirtschaft NRW
Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen
Klimaschutzfunktion und Klimaanpassung des Waldes als Zukunftsaufgabe

Nachhaltige Holz- und Forstwirtschaft

Das Landesforstgesetz Nordrhein-Westfalen verpflichtet Forstwirtschaftsbetriebe dazu, Waldflächen nachhaltig zu betreuen und zu nutzen.

Die nachhaltige Forstwirtschaft zielt darauf ab, die biologische Vielfalt der Waldflächen zu erhalten sowie ihre Produktivität, Verjüngungsfähigkeit und Vitalität zu erhalten sowie die Fähigkeit, gegenwärtig und in Zukunft wichtige ökologische, wirtschaftliche und soziale Funktionen zu erfüllen. Zudem muss die Bewirtschaftung in einer Art und Weise erfolgen, die anderen Ökosystemen keinen Schaden zufügt.

Das dabei gewonnene Holz nimmt als nachwachsender Rohstoff eine wichtige Rolle beim nachhaltigen Wirtschaften ein.

Das Wertschöpfungssystem des Teilmarkts Nachhaltige Holz- und Forstwirtschaft besteht aus dem Marktsegment Nachhaltige Holzproduktion mit den zentralen Aktivitäten Forstwirtschaft und Holzeinschlag. Diese werden durch Dienstleistungen wie Waldbestandsaufnahme, forstwirtschaftliche Beratungsleistungen sowie Waldschutz und Waldbrandbekämpfung unterstützt. Die Bereitstellung des nachhaltigen Rohstoffs Holz vor der Verarbeitung in bestimmte Endprodukte erfolgt schließlich durch die Holzverarbeitung in Säge-, Hobel- und Holzimprägnierwerken.

Grafik zeigt Erwerbstätige und Umsätze (in Mio. Euro) im Teilmarkt Nachhaltige Holz- und Forstwirtschaft in Nordrhein-Westfalen 2012 nach Marktsegmenten. 63% sind im Bereich Forstwirtschaft und Holzeinschlag tätig, 37% in Säge., Hobel- und Holzimprägnierwerken. Erstere Branche ist von 2009 auf 2012 im Umsatz um ca. 6% gefallen; zweite um ca. 14,5% gestiegen.
Wertschöpfungssystem
Regionale Bedeutung des Teilmarktes
Regionale Bedeutung des Teilmarkts Nachhaltige Holz- und Forstwirtschaft sowie Erwerbstätige 2012 nach Marktsegmenten. Einen maximal hohen Lokalisationsquotienten haben Ostwestfalen-Lippe, das Münsterland und Südwestfalen; die meisten Erwerbstätigen arbeiten ebenso in Südwestfalen.
Unternehmen und Märkte

Der Wald ist die wirtschaftliche Grundlage des Teilmarkts. In Nordrhein-Westfalen, dem am dichtesten besiedelten Flächenbundesland, ist der Anteil der Waldfläche mit gut einem Viertel der Gesamtfläche relativ gering. Dies entspricht 909.500 Hektar Waldfläche, wovon sich mit 67 % ein vergleichsweise großer Anteil in Privatbesitz befindet.

150.000 private Waldbesitzer verfügen dabei jeweils über durchschnittlich 4 Hektar Forstfläche. Dementsprechend stammt auch der Großteil des Holzeinschlags und somit der Holzproduktion aus privaten Wäldern. Der landeseigene Wald zeichnet sich jedoch mit 27 % des Holzeinschlags bei nur 13 % der Waldfläche durch eine intensive Holzproduktion aus, obwohl etwa die Hälfte des Staatswaldes zu Habitaten oder Naturschutzgebieten gehört. Insgesamt erarbeiten die knapp 5.200 Erwerbstätigen der nachhaltigen Holzproduktion in Nordrhein-Westfalen einen Umsatz von über 1,1 Mrd. Euro; ihre Anzahl ist von 2009–2012 um 10,6 % angestiegen. Über ein Drittel der Erwerbstätigen entfallen dabei auf die erste Verarbeitungsstufe durch Sägewerke etc. Dieser starke Aufwärtstrend ist in früheren Studien noch nicht erkennbar und deutet darauf hin, dass sich die Branche schrittweise von den Auswirkungen des Orkans Kyrill und der Finanzkrise erholt.

Im Gegensatz zu den holzverarbeitenden Industrien wie der Papier- und Möbelindustrie sind Forstwirtschaft und Holzbearbeitung in Nordrhein-Westfalen von kleinen Unternehmen mit unter 50 Mitarbeitern geprägt. Die Sägeindustrie übernimmt den größten Teil der Holzbearbeitung. Die Möbelindustrie, das Holzhandwerk, die Papierherstellung und die Holzwerkstoffindustrie sind die bedeutendsten Abnehmer.

Die räumlichen Schwerpunkte des Teilmarkts liegen in den bewaldeten Gebieten der Mittelgebirge wie vor allem dem Sauerland sowie im Münsterland, am Niederrhein und um die Ballungsräume an Rhein und Ruhr herum. Im besonders waldreichen Südwestfalen liegt der Schwerpunkt der Beschäftigung im Teilmarkt vor allem im Bereich Forstwirtschaft & Holzeinschlag, während in Münsterland und Niederrhein die Holzbearbeitung aufgrund der engen Vernetzung mit der ansässigen Holzverarbeitung vorherrscht.

Vernetzung, Forschung und Innovation

Der Teilmarkt ist gut vernetzt: Das Cluster Wald + Holz NRW verbindet landesweit die regionalen Netzwerke der Holz- und Forstwirtschaft.

Mit dem Zentrum HOLZ in Südwestfalen verfügt der Teilmarkt über ein eigens errichtetes Branchenzentrum. Die Forstwirtschaft in den Staatswäldern wird zudem vom Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen koordiniert. Mit dem Internationalen Institut für Wald und Holz Nordrhein-Westfalen der Universität Münster sowie den Bildungs- und Forschungszentren des Landesforstbetriebs weist Nordrhein-Westfalen für den Teilmarkt eine beachtliche Forschungslandschaft auf.

Patente werden im Teilmarkt hingegen nur äußerst selten angemeldet. Das ist kaum verwunderlich angesichts der vergleichsweise geringen Rolle, die Technologie für diesen Teilmarkt spielt. Einzelne Innovationen wurden 2012 in den Feldern Brandschutz und Holzbearbeitung erzielt, z. B. für verbesserte Sägeblätter oder neue Methoden, um die Ausbreitung von Waldbränden zu verhüten.

Außenhandel

Der Teilmarkt Nachhaltige Holz- und Forstwirtschaft ist mit einem Ausfuhrvolumen von 146 Mio. Euro im Jahr 2012 der exportschwächste Teilmarkt der Umweltwirtschaft.

Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass Holz meist nach der Verarbeitung, die nicht Teil des Teilmarkts ist, als fertiges Produkt exportiert wird. Wenn Holz vor der Verarbeitung exportiert wird, dann hauptsächlich in nahgelegene Nachbarländer. Auch der Spezialisierungsindikator RXA84 zeigt, dass Nordrhein-Westfalen nur sehr wenig ausführt. Der Teilmarkt ist außerdem der einzige, dessen Gesamtausfuhr im Zeitraum von 2009 bis 2012 gesunken ist, nämlich um knapp 6 %. Diese Entwicklung ist, wie annähernd konstante Umsätze belegen, jedoch weitestgehend durch einen steigenden Eigenverbrauch Nordrhein-Westfalens aufgefangen worden.

Markttreiber und Trends

Vor allem der Orkan Kyrill und zuletzt die Unwetter des Tiefdruckgebiets Ela haben der Holz- und Forstwirtschaft in den letzten Jahren zu schaffen gemacht.

Laut Waldzustandsbericht leiden 2014 mehr Bäume an Kronenverlichtung als je zuvor seit Beginn der Erhebung 1984. Stürme und andere Extremwetterereignisse wie Hitzewellen werden im Zuge des Klimawandels noch zunehmen. Eine höhere CO2-Konzentration in der Atmosphäre steigert wiederum das Baumwachstum. Die Risiken des Klimawandels zu verringern und auch seine Chancen wahrzunehmen, ist somit eine zentrale Aufgabe und ein zentraler „Treiber“ des Teilmarktes, der direkt oder indirekt alle seine Akteure betrifft.

Die Forst- und Holzwirtschaft erfüllt wichtige Funktionen des Klimaschutzes: Bäume nehmen regelmäßig große Mengen CO2 auf, zudem ersetzt ihr Holz fossile Energieträger und verschiedene energieaufwendigere Bau- und Werkstoffe. So trägt der Teilmarkt zum nachhaltigen Wirtschaften bei.