Umweltwirtschaft NRW
Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen
Eine zentrale Region für die Umweltwirtschaft Nordrhein-Westfalens

Regionalprofil Aachen

Die Umweltwirtschaft der Region Aachen zeichnet sich durch exzellente Forschungs- und Innovationskompetenzen und teilweise äußerst dynamische Marktsegmente aus.

Insgesamt weist die Region über 20.000 Erwerbstätige in der Umweltwirtschaft auf. Der Lokalisationsquotient (LQ) liegt bei 1,02 und 0,98 bezogen auf Nordrhein-Westfalen bzw. Deutschland, d. h. der Beschäftigungsgrad der Umweltwirtschaft ist im landes- bzw. bundesweiten Vergleich durchschnittlich. Der Zuwachs an Erwerbstätigen zeigt sich 2009–2012 mit 3,6 % jedoch unterdurchschnittlich im Vergleich zur Umweltwirtschaft in ganz Nordrhein-Westfalen (5,2 %) und zur Gesamtwirtschaft der Region (5,4 %).

Der Teilmarkt Materialien, Materialeffizienz und Ressourcenwirtschaft ist mit über 6.100 Erwerbstätigen für die Region herausragend spezialisiert, wie der Lokalisationsquotient von 1,16 zu Nordrhein-Westfalen verdeutlicht. Besondere Spezialisierungen liegen bei den Marktsegmenten Anlagentechnik für die Abfallwirtschaft (LQ 1,20) und Materialeffiziente Produktionsprozesse und Technologien (LQ 1,16) vor, die mit 36,3 % bzw. 33,9 % hohe Wachstumsraten in der Erwerbstätigkeit aufweisen. Durch diese dynamischen Marktsegmente erreicht auch der Teilmarkt insgesamt mit einem Zuwachs an Erwerbstätigen um 8,7 % ein überdurchschnittliches Wachstum. Die Stärke der Region in diesen spezifischen Marktsegmenten ist unter anderem auf den exportstarken Maschinenbau als größte Industriebranche der Region und auf die prägende RWTH zurückzuführen. Unternehmen für Produktionstechnik (z. B. im Rahmen des Netzwerks PROTECA) und Reparatur und Bau von metallurgischen Maschinen und Anlagen (z. B. Otto Junker in Simmerath) sowie Zulieferer für die Papierindustrie (z. B. Voith Paper Fabrics in Düren) stammen aus dem Maschinenbau und tragen positiv zur Umweltwirtschaft bei. Auch das mit knapp 3.200 Erwerbstätigen größte Marktsegment des Teilmarktes, Stoffliche und energetische Verwertung, weist eine überdurchschnittliche Ausprägung aus (LQ 1,19), schrumpfte jedoch zwischen 2009 und 2012 leicht (–0,8 % Erwerbstätige).

Der Teilmarkt Energieeffizienz und Energieeinsparung belegt zusätzlich die Dynamik der Umweltwirtschaft in der Region Aachen. Das Wachstum 2009–2012 war mit 8,3 % auf 4.400 Erwerbstätige (LQ 1,17 zu Nordrhein-Westfalen) im Vergleich zu 3,9 % in Nordrhein-Westfalen äußerst positiv. Die Stärken der Region Aachen liegen in den Marktsegmenten Energieeffiziente Gebäude und Energieeffiziente Produktionsprozessen und Technologien.

Unternehmenslandschaft

Das Technologiecluster Automotive und zahlreiche Forschungszentren internationaler Automotive-Unternehmen in der Region belegen die Innovationskompetenz des Teilmarkts Umweltfreundliche Mobilität. Im Vergleich zu Nordrhein-Westfalen ist der Teilmarkt mit nur ca. 3.700 Erwerbstätigen unterdurchschnittlich ausgeprägt (LQ 0,84). Umweltfreundliche Mobilitäts- und Antriebstechnologien, das Marktsegment mit der stärksten Spezialisierung (LQ 1,21), verzeichnet zudem einen Einbruch der Erwerbstätigenzahlen um 34 %, vor allem bei der Herstellung von Biokraftstoffen, da die Zahl der Erwerbstätigen im Teilmarkt bis 2009 um 7,6 % sank.

Eine weitere Auffälligkeit in einem anderen Teilmarkt ist das starke Wachstum der Erwerbstätigen im Marktsegment Ökologischer Landbau von 17,5 %  2009–2012.

Teilmarktübergreifend hat Aachen als herausragender Universitäts- und Forschungsstandort eine Stärke vorzuweisen, die in den Erwerbstätigenzahlen der Teilmärkte nur unzureichend widergespiegelt wird: Die Region Aachen ist einer der wichtigsten Forschungsstandorte Deutschlands mit vielen Einrichtungen der Forschung und Entwicklung wie zum Beispiel die Exzellenzuniversität Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) in Aachen und dem Forschungszentrum Jülich. Des Weiteren beheimatet die Region vier Fachhochschulen und vier Fraunhofer-Institute. Charakteristikum der Region sind zudem vielfältige und einzigartige Kooperationen von Industrie und F&E-Einrichtungen (z. B. im Regionalen Dialog Energiewende) sowie Forschungszentren international agierender Unternehmen. Die Region fokussiert als Ganzes die umweltwirtschaftlich wichtigen Innovationsschwerpunkte Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und -systeme, umweltfreundliche Mobilität durch E-Mobilität, Leichtbau und Optimierung von Verbrennungskraftmaschinen und Verkehrssystemen sowie innovative Materialien. Mit dem RWTH Campus schafft die Universität ein besonderes Leistungsangebot zur Kooperation in 19 fachspezifischen Clustern. Viele der Cluster weisen Bezüge zur Umweltwirtschaft auf, u. a. Nachhaltige Energie, Alternative Kraftstoffe und Logistik. Nationalen und internationalen Unternehmen wird die Möglichkeit eröffnet, sich mit eigenen F&E-Ressourcen auf dem Campus zu engagieren. Aktuell befinden sich sechs Startcluster in der Realisierung und mehr als 200 Unternehmen engagieren sich auf dem Campus.

Die Zahl der Patente mit Umweltwirtschaftsbezug ist in Aachen durchschnittlich, da Universitäten und Forschungseinrichtungen generell weniger Patente anmelden als z. B. Unternehmen. Dies zeigt, dass der Schlüssel zu höheren Wachstumsraten in der Umweltwirtschaft u. a. in Unternehmensbestand und Gründerkultur liegen muss. Die zentralen Forschungsbereiche der Region, z. B. Life Science, Lasertechnik, Maschinenbau, Produktionstechnik und IKT, bergen das Potenzial für Unternehmensgründungen, umweltbezogene Innovationen sowie neue Produkte und Dienstleistungen.