Umweltwirtschaft NRW
Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen
Eine zentrale Region für die Umweltwirtschaft Nordrhein-Westfalens

Regionalprofil Ostwestfalen-Lippe

Ostwestfalen-Lippe (OWL) verkörpert wie keine andere Region in Nordrhein-Westfalen die Technologieorientierung des Mittelstandes, die von den Spitzenclusteraktivitäten der Produktionswirtschaft bis hin zu bedeutenden Lead-Usern der Umweltwirtschaft reicht.

Die Region nimmt mit über 35.500 Erwerbstätigen – bzw. mit 11 % der Erwerbstätigen der Umweltwirtschaft Nordrhein-Westfalens – die dritte Stelle der Umweltwirtschaftsregionen ein. Das Erwerbstätigenwachstum in der Umweltwirtschaft findet mit 4,9 % (2009–2012) insgesamt auf einem geringfügig niedrigeren Niveau als in Nordrhein-Westfalen insgesamt (5,2 %) bzw. in der Gesamtwirtschaft der Region (5,4 %) statt. Der Anteil von 4,4 % an der Gesamtbeschäftigung für die Umweltwirtschaft liegt ebenfalls leicht unter dem Durchschnitt Nordrhein-Westfalens (4,7 %), was sich in einem Lokalisationsquotient (LQ) von 0,93 ausdrückt.

Das besondere Profil der Region zeigt sich in der Analyse der technologieorientierten Teilmärkte. Materialien, Materialeffizienz und Ressourcenwirtschaft stellt mit rund 9.900 Erwerbstätigen den dominanten Teilmarkt in der Region dar. Neben der stofflichen und energetischen Verwertung zeichnet sich OWL durch zwei überdurchschnittlich ausgeprägte Marktsegmente aus. Das Marktsegment Anlagentechnik für die Abfallwirtschaft zeigt für 2009–2012 ein Wachstum von 12,8 % auf 1.000 Erwerbstätige (LQ 1,4 zu Nordrhein-Westfalen). Im Marktsegment Materialeffiziente Produktionsprozesse und Technologien arbeiten überdurchschnittlich viele Erwerbstätige (4.400 Erwerbstätige, LQ 1,24 zu Nordrhein-Westfalen), wobei ein Schwerpunkt in der industriellen Automation und elektronischen Verbindungstechnik liegt. Die in OWL ansässigen Hidden Champions Beckhoff, Harting, Phoenix Contact, Wago und Weidmüller haben zusammengefasst einen Weltmarktanteil von 75 %. Das 2012 vom BMBF als Spitzencluster ausgezeichnete Industrie-4.0-Netzwerk it’s owl baut auf diesen Stärken auf. In 46 Forschungs- und Innovationsprojekten findet die Ausgestaltung des Zukunftsthemas Industrie 4.0 durch Anlagenbauer, Fabrikausrüster und Anwender digitaler Vernetzungstechnologien der Region statt. Bundesweit nimmt OWL damit eine Vorreiterrolle ein. Neben den Universitäten in Bielefeld und Paderborn sind unter anderem auch das Fraunhofer IOSB-INA (Industrial Automation) sowie die Hochschule Ostwestfalen-Lippe beteiligt.

Drei weitere Teilmärkte zeigen sich hinsichtlich ihrer Spezialisierung besonders ausgeprägt. In der Umweltfreundlichen Landwirtschaft steht das Marktsegment Grüne Agrartechnologien im Vordergrund, in dem OWL über 37 % der nordrhein-westfälischen Erwerbstätigen und eine außerordentliche Spezialisierung (LQ 3,12 zu Nordrhein-Westfalen) aufweist. Zu nennen insbesondere das Landtechnikunternehmen Claas, auf das zahlreiche Produktinnovationen Bereich des Precision Farming zurückgehen. Neben seinem Hauptsitz in Harsewinkel verfügt Claas noch über zwei weitere Produktionsstandorte in Ostwestfalen.

Unternehmenslandschaft

Auch im Teilmarkt Nachhaltige Holz- und Forstwirtschaft verfügt OWL mit gut 800 Erwerbstätigen über eine ausgeprägte Wirtschaftskraft. Das Wachstum ist hier mit über 13,9 % zwischen 2009 und 2012 besonders hoch. Als bedeutender Möbelstandort verfügt OWL zugleich über einen wichtigen Abnehmerzweig des Naturrohstoffs.

Im Teilmarkt Energieeffizienz und Energieeinsparung ist Ostwestfalen-Lippe im Vergleich gut aufgestellt. 8.000 Erwerbstätige arbeiten hier, was einem Lokalisationsquotienten von 1,10 zu Nordrhein-Westfalen entspricht. Auch hier lassen sich einige weltweit führende Unternehmen mit Sitz in OWL identifizieren. Mit Miele ist beispielsweise ein bedeutender Lead-User effizienter Elektrotechnik in der Region angesiedelt. Der Werkzeughersteller Gildemeister hat zwar 2013 im Zuge seiner Fusionierung mit dem japanischen Konzern Mori Seiki seinen Hauptsitz in Bielefeld aufgegeben, wichtige Produktions- und Entwicklungskapazitäten bleiben aber vor Ort erhalten. Neben effizienzsteigernden Produktionsanlagen bietet das Unternehmen auch Softwarelösungen für das Energiemonitoring sowie Energiespeicher an. Mit Schüco befindet sich in Ostwestfalen-Lippe auch ein führender Hersteller energieeffizienter Baustoffe und Gebäudetechnik. Über das Netzwerk Energie Impuls OWL bündelt die Region Kompetenzen auf diesem Gebiet und unterstützt mittels Workshops, Initiativen und Bildungsprogrammen ansässige Unternehmen dabei, ihre Energieeffizienz zu steigern.

Die Auswertung der Unternehmenslandschaft in Ostwestfalen-Lippe deutet in einzelnen Bereichen der Umweltwirtschaft eine Tendenz zur Clusterbildung an. Im Kreis Gütersloh ist etwa eine große Ansammlung von Unternehmen aus dem Teilmarkt Materialien, Materialeffizienz und Ressourcenwirtschaft niedergelassen. Rund um das Zentrum Bielefeld sind viele Unternehmen aus dem Teilmarkt Umweltfreundliche Mobilität vertreten. Paderborn ist Sitz mehrerer Unternehmen der Umweltfreundlichen Energiewandlung,  -transport,  und -speicherung.