Umweltwirtschaft NRW
Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen
Eine zentrale Region für die Umweltwirtschaft Nordrhein-Westfalens

Regionalprofil Metropole Ruhr

Mit über 30 % der Erwerbstätigen ist die Metropole Ruhr die zentrale Region für die Umweltwirtschaft in Nordrhein-Westfalen. Die insgesamt rund 97.000 Erwerbstätigen belegen im Vergleich sowohl zum Landes- als auch zum Bundesdurchschnitt eine Spezialisierung der Region in der Umweltwirtschaft.

Dies drückt sich in einem Lokalisationsquotienten (LQ) von 1,18 im Vergleich zu Nordrhein-Westfalen bzw. 1,13 im Vergleich zu Deutschland aus. Mit 5,6 % der Gesamtbeschäftigung arbeitet in der Metropole Ruhr ein größerer Anteil der Menschen in der Umweltwirtschaft als in jeder anderen Region Nordrhein-Westfalens. Die Stärke der Metropole Ruhr in der Umweltwirtschaft drückt sich in einer breiten Technologie- und Innovationskompetenz aus, die von Energietechnik über Ressourcenmanagement und chemische Aufbereitungsprozesse bis zum nachhaltigen Stadtumbau reicht. Das Erwerbstätigenwachstum von 3,9 % lag im Zeitraum 2009–2012 nur geringfügig unter dem Landesdurchschnitt von 5,4 %.

Der größte und mit 26.000 Erwerbstätigen besonders ausgeprägte Teilmarkt ist in der Metropole Ruhr Materialien, Materialeffizienz und Ressourcenwirtschaft. Dies zeigt sich besonders im Vergleich zu Deutschland (LQ von 1,3). Zurückzuführen ist dies vor allem auf die Marktsegmente Stoffliche und energetische Verwertung mit 16.000 Erwerbstätigen und Materialeffiziente Produktionsprozesse und Technologien mit 6.400 Erwerbstätigen (LQ 1,10 zu Nordrhein-Westfalen). In letzterem Segment war 2009– 2012 mit 14,7 % auch das Erwerbstätigenwachstum herausragend. Insgesamt zeigt sich hier die traditionelle Industrie- und Materialkompetenz der Region. Ergänzt wird diese mittlerweile durch industrienahe Dienstleistungen und die starke Präsenz wissenschaftlicher Einrichtungen. Die Region verfügt über innovative Unternehmen für Produktionstechnologie, die Materialeffizienz vorantreiben, zum Beispiel zahlreiche Unternehmen des Technologiezentrums Dortmund, unter anderem carat robotik innovation. Der Großteil von Beschäftigung und Umsatz geht jedoch von Dienstleistungen wie Fachplanung und Instandhaltung aus. In diesem Bereich sind in der Region zahlreiche mittelständische Unternehmen (z. B. Maschinenfabrik Völkmann, Dortmund) sowie auch einige größere Industriedienstleister (z. B. Siemens in Essen und Dortmund) aktiv. Auch Recycling ist in der Region tief verwurzelt. Mit Remondis hat eines der weltweit größten Unternehmen der Wasser- und Kreislaufwirtschaft seinen Sitz in Lünen.

Unternehmenslandschaft

Auch der Teilmarkt Wasserwirtschaft ist im Ruhrgebiet mit 16.500 Erwerbstätigen stärker ausgeprägt als in jeder anderen Wirtschaftsregion Nordrhein-Westfalens. Hier erreicht die Metropole Ruhr einen Lokalisationsquotienten von 1,21 im Vergleich zu Nordrhein-Westfalen (bzw. 1,27 zu Deutschland). Auch die Lokalisationsquotienten der drei Marktsegmente des Teilmarkts liegen bei je 1,12 oder höher zu Nordrhein-Westfalen, was eine überdurchschnittliche Ausprägung der Marktsegmente verdeutlicht. Das Erwerbs- tätigenwachstum war mit 4,6 % von 2009–2012 durchschnittlich und ist ebenfalls für alle Marktsegmente ähnlich. Besondere Stärken der Metropole Ruhr in der Wasserwirtschaft liegen neben den zentralen Aktivitäten der Wasserver- und Abwasserentsorgung der Emschergenossenschaft/ Lippeverband EGLV, des Ruhrverbands und Gelsenwasser unter anderem im Rohrleitungsbau und in der Herstellung von Mess- und Kontrollinstrumenten. Die Metropole Ruhr beheimatet international führende Unternehmen, zum Beispiel den Pumptechnikhersteller Wilo aus Dortmund, Krohne Messtechnik aus Duisburg, den erwähnte Konzern Remondis aus Lünen, Cornelsen Umwelttechnologie aus Essen oder Bilfinger Piping Technologies aus Oberhausen.

Ebenfalls sehr beschäftigungsintensiv ist der Teilmarkt Umweltfreundliche Mobilität. Mit rund 25.500 Erwerbs- tätigen weist die Metropole Ruhr eine höhere Spezialisierung (Lokalisationsquotient 1,39 zu Nordrhein-Westfalen, 1,27 zu Deutschland) auf als jede andere Wirtschaftsregion Nordrhein-Westfalens. Den größten Anteil daran hat das Marktsegment Umweltfreundliche Logistik- und Mobilitätsdienstleistungen mit ca. 20.000 Erwerbstätigen und einem Lokalisationsquotienten von 1,45 zu Nordrhein-Westfalen. Neben dem beförderungsreichsten Verkehrsverbund Europas beheimatet die Metropole Ruhr als zentraler Logistikstandort auch ca. drei Viertel der Erwerbstätigen des Bundeslandes in Güterbeförderung, Eisenbahnverkehr und Binnenschifffahrt. Mobilität und Logistik gelten als Treiber des Strukturwandels im Ruhrgebiet. Ein außerordentlich dichtes Gleis-, Kanal- und Hafensystem und der größte Binnenhafen der Welt Duisburg bieten die Infrastruktur für den umweltfreundlichen Transport in der Region. Das Marktsegment Intelligente Verkehrsmanagementsysteme und Infrastruktur ist mit 2.900 Erwerbstätigen zwar wesentlich kleiner, fällt jedoch durch hohe Spezialisierung (LQ 1,68 zu Nordrhein-Westfalen) und hohes Wachstum (+9,6 % Erwerbstätige 2009–2012) auf, wobei im bundesweiten Vergleich trotzdem leichter Nachholbedarf besteht (LQ 0,96 zu Deutschland). Der Schwerpunkt liegt beim Bau von Bahnverkehrsstrecken, der in Nordrhein-Westfalen unter anderem von H. Klostermann aus Hamm und Eiffage Rail aus Bochum ausgeführt wird.

Auch im Teilmarkt Umweltfreundliche Energiewandlung, -transport und -speicherung kann die Metropole Ruhr durch besondere Spezialisierung eine Spitzenposition einnehmen. Mit 10.600 Erwerbstätigen erreicht der Teilmarkt einen Lokalisationsquotienten von 1,26 im Vergleich zu Nordrhein-Westfalen (1,14 zu Deutschland) und weist mit einem Zuwachs an Erwerbstätigen von knapp 15 % zwischen 2009 und 2012 zudem eine überaus positive Entwicklung aus. Das Marktsegment Erneuerbare Energien ist mit rund 9.000 Erwerbstätigen bei 18 % Wachstum der zentrale Bereich und Wachstumsmotor des Teilmarkts. Die Region beheimatet wesentliche Anteile der Erwerbstätigen Nordrhein-Westfalens in Bereichen wie der Herstellung von Solarzellen und -modulen, Turbinen (z. B. Windenergie, Dampfturbinen für Geothermal-Wärmepumpensysteme, Wasserkraftturbinen), Wärmepumpen und -austauschern sowie der Elektrizitätserzeugung aus erneuerbaren Energien. So sind zum Beispiel mit Winergy (Voerde, Kreis Wesel) und Eickhoff (Bochum) zwei führende Zulieferer für Windenergieanlagen hier ansässig. Mit abakus solar kommt ein Solarpionier aus Gelsenkirchen hinzu, und mit RWE Innogy bündelt der RWE-Konzern in Essen seine Kompetenzen zu Erneuerbaren Energien. Wichtige Forschungseinrichtungen sind das Internationale Geothermiezentrum Bochum und, im Bereich Speichertechnologien, das Max-Planck-Institut für chemische Energiekonversion (Mülheim). Darüber hinaus beheimatet die Metropole Ruhr die für mehrere Bereiche der Umweltwirtschaft bedeutenden Forschungsinstitutionen Fraunhofer UMSICHT (Oberhausen) und TU Dortmund. Im Rahmen der Initiative InnovationCity Ruhr dient Bottrop als Modellstadt für nachhaltige Stadtentwicklung und innovativen Klimaschutz.

Die Metropole Ruhr verfügt über Kompetenzen bei der Produktion von Komponenten für Erneuerbare Energien wie Turbinen und Generatoren, Energiespeichern und -netzen sowie Chemikalien und chemischen Prozessen für Recycling, Biogaserzeugung, Wasseraufbereitung und Abscheidungsprozesse. Zentrales technologisches und wissenschaftliches Kompetenzfeld ist das integrierte Ressourcenmanagement. So fokussiert die Metropole Ruhr in ihrer Regionalentwicklung auf übergeordneter Ebene durch die Wirtschaftsförderung metropoleruhr auch die Ressourcenwirtschaft. Die Aktivitäten des Regional Verband Ruhr (rvr) im Rahmen der KlimaEXPO Ruhr, die Klimaaktivitäten der Mercator-Stiftung, der Emscherumbau der EGLV oder die herausragenden Aktivitäten Bottrops als InnovationCity Ruhr (ICR) sind ebenfalls beispielhaft für die Präsenz der Umweltwirtschaft auf Anbieter- und Nachfragerseite.