Umweltwirtschaft NRW
Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen
Eine zentrale Region für die Umweltwirtschaft Nordrhein-Westfalens

Regionalprofil Südwestfalen

Die Umweltwirtschaft in der Region Südwestfalen beschäftigt rund 27.500 Erwerbstätige. Damit ist die Umweltwirtschaft in dieser Region etwas stärker vertreten als im nordrhein-westfälischen Durchschnitt und entspricht dem Bundesdurchschnitt, wie der Lokalisationsquotient mit einem Wert von 1,05 zu Nordrhein-Westfalen und 1,01 zu Deutschland zeigt.

Auch das Wachstum der Umweltwirtschaft im Hinblick auf die Erwerbstätigkeit war in Südwestfalen von 2009 bis 2012 mit 6,9 % höher als im Landesdurchschnitt (5,4 %) und höher als das Wachstum der Gesamtwirtschaft in der Region (6,0 %). Somit ist die Umweltwirtschaft für die Region eine wichtige Zukunftsbranche mit den Kompetenzfeldern Gebäudetechnik, Automotive, Metall- und Maschinenbau, Holz und Werkstoffe.

Der Maschinenbau wird oft als Schlüsselbranche der Region genannt. Die Branche zeichnet sich in Südwestfalen laut der Südwestfalen Agentur durch inhabergeführte Unternehmen mit hohem Innovationspotenzial aus und zählt insgesamt etwa 30.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte. Das Know-how in diesem Bereich wird in der Region auch für die Umweltwirtschaft genutzt. So ist Materialien, Materialeffizienz und Ressourcenwirtschaft mit knapp 8.500 Erwerbstätigen der größte Teilmarkt in der Region. Mit einem Lokalisationsquotienten von 2,46 im Vergleich zu Nordrhein-Westfalen weist die Region insbesondere in der Anlagentechnik für die Abfallwirtschaft eine außerordentlich hohe Spezialisierung auf, vor allem aufgrund von Anlagen zur Gewinnung von Sekundärmetallen an diesem bundesweit wichtigen Standort der Metallindustrie. Neben bedeutenden Unternehmen der Kreislaufwirtschaft wie bspw. der Lobbe Holding GmbH & Co. KG in Iserlohn ist die lokale Niederlassung der SMS Siemag AG im Kreis Siegen-Wittgenstein ein Beispiel für ein führendes Unternehmen des Anlagen- und Maschinenbaus, das unter anderem effiziente Metallverarbeitungstechnik, Filter- und Umwelttechnik sowie Anlagentechnik zur Wiederverwertung von Metallen anbietet. Zudem stellt das Know-how Südwestfalens – repräsentiert u. a. durch die einschlägigen Institute der Uni Siegen und der FH Südwestfalen – im Werkstoffbereich ein wichtiges Kompetenzfeld dar.

Herausragende Bedeutung kommt in Südwestfalen außerdem der Holz- und Forstwirtschaft zu. So stammt der mit Abstand größte Anteil des Nadelrundholzes Nordrhein-Westfalens aus Südwestfalen; die Region verfügt beispielsweise über hohe Kapazitäten für das Sägen von Holz, fast ausschließlich in Form inhabergeführter Unternehmen. Mehr als 30 % der landesweiten Erwerbstätigen des Teilmarkts Nachhaltige Holz- und Forstwirtschaft arbeiten in Südwestfalen, die Spezialisierung ist mit einem Lokalisationsquotienten von 3,25 im Vergleich zu Nordrhein-Westfalen (und 1,97 im Vergleich zu Deutschland) besonders hoch. Das Wachstum bei den Erwerbstätigen war im Untersuchungszeitraum (2009–2012) mit 19,1 % herausragend. Auffällig ist die Dominanz der umweltfreundlichen Holz- und Forstwirtschaft im Zentrum der Region. Ein Standortvorteil ist unter anderem die starke Nachfrage durch die vielen industriellen Holzbe- und Verarbeiter sowie die davon abhängigen Branchen wie der Anlagen- und Maschinenbau.

Unternehmenslandschaft

Die überwiegend mittelständisch strukturierten Automobil- und Bahnzulieferer bilden die dritte Schlüsselbranche für Südwestfalen. Dementsprechend weist das Marktsegment Umweltfreundliche Mobilitäts- und Antriebstechnologien eine hohe Spezialisierung auf (Lokalisationsquotient 1,41 zu Nordrhein-Westfalen). Auch der Anstieg der Erwerbstätigen ist in diesem Bereich hoch (2009–2012 um 20,5 %). Leichtbau und die besonderen Herausforderungen der E-Mobilität stehen im Fokus der Innovationsaktivitäten von Wirtschaft, Hochschulen und Instituten rund um die starke, mittelständisch geprägte Automotive-Industrie der Region und versprechen weitere Innovationen und Wachstum in diesem Bereich. Bedeutende Akteure sind unter anderem der Automobilzulieferer HELLA KGaA Hueck & Co., der in der Fahrzeugelektronik zur Reduzierung von CO2- Emissionen und Kraftstoffverbrauch zu den Weltmarktführern gehört, die Kompetenzzentren ACS (Automotive Center Südwestfalen) in Attendorn und KFE (Kompetenzzentrum Fahrzeug-Elektronik) in Lippstadt sowie der Hersteller des in der EU maßgeblichen Steckers für Ladekabel von E-Fahrzeugen, Mennekes. Als weiteres Beispiel für die ausgewiesene Automotive-Kompetenz steht die KIRCHHOFF-Gruppe als bedeutender Zulieferer. Im Bereich des Schienenfahrzeugbaus weist die Region mit der Vossloh AG hohe Kompetenz aus.

Südwestfalens außergewöhnliche Konzentration internationaler Marktführer aus den Bereichen Sanitärarmaturen, Gebäudeelektrik und -elektronik, Leuchten sowie Tür- und Sicherheitstechnik spiegelt sich in der Umweltwirtschaft wider. Mit knapp 5.500 Erwerbstätigen ist Energieeffizienz und Energieeinsparung der zweitgrößte Teilmarkt der Umweltwirtschaft in der Region und zeigt mit 8,9 % auch ein überdurchschnittliches Wachstum bei den Erwerbstätigen im Vergleich zu 3,7 % landesweit (2009–2012).

Größtes Marktsegment nach Erwerbstätigen sind Energieeffiziente Gebäude mit 3.900 Erwerbstätigen. Innovative Akteure sind unter anderem das Deutsche Institut für angewandte Lichttechnik (DIAL) und die Centrotec Sustainable AG in Brilon, die integrierte Systemlösungen für Klima, Lüften und Heizen anbietet. Trotz der lokalen Stärken in der Gebäudetechnik liegt die höhere Spezialisierung beim Marktsegment Energieeffiziente Produktionsprozesse und Technologien (Lokalisationsquotient 1,32) vor allem aufgrund von Regel- und Vernetzungstechnik, von Unternehmen wie Oventrop und EMG Automation GmbH.

Der Teilmarkt Wasserwirtschaft profitiert von der hohen Konzentration in den Bereichen Sanitärarmaturen, zum Beispiel durch die Grohe AG, und Metallverarbeitung, zum Beispiel durch die Rohrsysteme der Viega GmbH & Co. KG, und verfügt über insgesamt gut 3.900 Erwerbstätige, weist jedoch eine leicht unterdurchschnittliche Spezialisierung auf (Lokalisationsquotient 0,91 zu Nordrhein-Westfalen, 0,96 zu Deutschland).

Nennenswert ist außerdem das Marktsegment Speichertechnologien, das vor allem mit dem Hersteller von Industriebatterien, -systemen und Ladegeräten HOPPECKE Carl Zoellner & Sohn eine hohe Spezialisierung (Lokalisationsquotient 3,05 zu Nordrhein-Westfalen) und hohes Wachstum (Erwerbstätige 2009–2012: +10,1 %) in Südwestfalen zeigt.

Als ein Beispiel für die in Südwestfalen zu verortenden vielfältigen Aktivitäten in der Umweltwirtschaft kann der Verein Klimaschutz durch Kreislaufwirtschaft benannt werden, der Ende 2014 auf der SASE in Iserlohn gegründet wurde.