Umweltwirtschaft NRW
Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen
Eine zentrale Region für die Umweltwirtschaft Nordrhein-Westfalens

Regionalprofil Niederrhein

Die Region Niederrhein zeigt eine Spezialisierung auf die Umweltwirtschaft: 28.800 oder 5,5 % der Erwerbstätigen sind in der Querschnittsbranche beschäftigt.

Der Lokalisationsquotient (LQ) von 1,15 zu Nordrhein-Westfalen bzw. 1,11 zu Deutschland stellt knapp hinter der Metropole Ruhr den zweithöchsten Spezialisierungswert aller Wirtschaftsregionen Nordrhein-Westfalens dar. Das Beschäftigungswachstum fällt mit 4,1 % im Zeitraum 2009–2012 im Vergleich zu ganz Nordrhein-Westfalen (5,4 %) geringer aus.

Der mit Abstand größte Teilmarkt der Region ist Materialien, Materialeffizienz und Ressourcenwirtschaft mit über 10.200 Erwerbstätigen. Dieser ist in der Region Niederrhein stark überdurchschnittlich spezialisiert, wie der höchste Lokalisationsquotient aller Regionen Nordrhein-Westfalens in diesem Teilmarkt (1,53 zu Nordrhein-Westfalen) verdeutlicht. Dabei fallen vor allem das Marktsegment Abfallsammlung und -behandlung durch herausragende Spezialisierung (LQ 2,13 zu Nordrhein-Westfalen) sowie das große Marktsegment Stoffliche und energetische Verwertung (4.600 Erwerbstätige) auf.

Letzteres wird in der Region von einer traditionell starken Aluminiumindustrie durch die Aufbereitung von Sekundäraluminium dominiert, zum Beispiel durch Werke von Unternehmen wie Aleris Recycling oder Hydro Aluminium in Grevenbroich.

Der Teilmarkt Materialien, Materialeffizienz und Ressourcenwirtschaft weist ein schwaches Beschäftigungswachstum von 1,1 % (2009–2012) auf, das symptomatisch ist für die Umweltwirtschaft in der Region: eine hohe Spezialisierung kombiniert mit nur geringem Wachstum. Ein Einbruch ist beim Marktsegment Anlagentechnik für die Abfallwirtschaft (–12,8 %) zu beobachten. Dafür liegt ein starkes Wachstum von 14,9 % bei Materialeffiziente Produktionsprozesse und Technologien vor, welches vor allem durch die Reparatur und somit Wiederverwertung von Metallerzeugnissen, Maschinen und Ausrüstungen geprägt ist. Dabei profitiert die Region von ihren traditionell ausgeprägten Stärken im Maschinenbau.

Unternehmenslandschaft

Mit dem Siemens-Mobility-Standort Krefeld-Uerdingen liegt eine der modernsten Schienenfahrzeugproduktionsstätten Europas in der Region Niederrhein – und prägt den mit 5.900 Erwerbstätigen zweitgrößten Teilmarkt Umweltfreundliche Mobilität mit. So ist die Spezialisierung des gesamten Teilmarktes durchschnittlich ausgeprägt (LQ 1,05 zu Nordrhein-Westfalen, LQ 0,96 zu Deutschland), im Marktsegment Umweltfreundliche Mobilitäts- und Antriebstechnologien jedoch aufgrund der auch besonders exportstarken Schienentechnologie sehr hoch (LQ 3,30 zu Nordrhein-Westfalen). Ein weiteres nennenswertes Unternehmen des Marktsegments ist die Rheinische Bioester GmbH in Neuss, eine bedeutende Produktionsanlage für Biodiesel. Der Teilmarkt weist mit 18,1 % im Vergleich zu 4,1 % landesweit in der Region Niederrhein ein herausragendes Beschäftigungswachstum auf, vor allem bei den Umweltfreundlichen Logistik- und Mobilitätsdienstleistungen (+26,7 %) und auch Umweltfreundlichen Mobilitäts- und Antriebstechnologien (+13,8 %). Im Marktsegment Umweltfreundliche Logistik- und Mobilitätsdienstleistungen zeigt die Logistikbranche u. a. mit den Neuss- Düsseldorfer Häfen eine starke Präsenz in der Region, erreicht aber nur einen niedrigen Lokalisationsquotienten (LQ 0,63 zu Nordrhein-Westfalen).

Eine der Schlüsselbranchen der Region ist das Agrobusiness. Dies spiegelt sich in der Umweltwirtschaft durch den starken Teilmarkt Umweltfreundliche Landwirtschaft wider, der mit 2,56 zu Nordrhein-Westfalen bzw. 1,66 zu Deutschland den höchsten Lokalisationsquotienten aller Teilmärkte in der Region aufweist. Die Stärke liegt insbesondere im Ökologischen Landbau mit einer besonders hohen Spezialisierung (LQ 2,82 zu Nordrhein-Westfalen) und starkem Wachstum (10,6 % in 2009–2012). Insgesamt sind am Niederrhein rund 4.600 konventionell und biologisch wirtschaftende landwirtschaftliche Betriebe ansässig, zumeist kleine und mittelgroße Familienhöfe,  die zu drei Vierteln in der Viehzucht tätig sind. Ein Standortfaktor sind auch zahlreiche Verarbeiter vor Ort wie z. B. Bofrost, Bonduelle, Kühne, Thomy und Katjes.

Durch die Vielfalt der ansässigen Unternehmen von Energiewirtschaft, Elektrotechnik und Maschinenbau in der Region ist auch der Teilmarkt Umweltfreundliche Energiewandlung, -transport und -speicherung relativ stark vertreten. Dieser verzeichnet rund 2.800 Erwerbstätige bei einem Wachstum von 12,8 % von 2009 bis 2012 und einem Lokalisationsquotienten von 1,08 (zu Nordrhein-Westfalen). Mit Windtest Grevenbroich befindet sich das weltweit größte Erprobungsfeld für Binnenland-Windenergieanlagen hier, 3M entwickelt in seiner Deutschlandzentrale verschiedenste Lösungen für Erneuerbare Energien und andere Global Player wie Alstom in Mönchengladbach oder Nexans in Rheydt entwickeln und bauen hier Investitionsgüter wie Transformatoren bzw. Kabel.

Der Teilmarkt Materialien, Materialeffizienz und Ressourcenwirtschaft schärft mit einem Wachstum der Erwerbstätigkeit von 14,9 % von 2009–2012 im Marktsegment Materialeffiziente Produktionsprozesse und Technologien das regionale Profil. Dieser Entwicklung trägt die Effizienz-Agentur Nordrhein-Westfalen mit der 2014 erfolgten Eröffnung des Regionalbüros Niederrhein Rechnung.