Umweltwirtschaft NRW
Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen
Tuxhorn GmbH & Co.KG • Bielefeld

2030 ist schon übermorgen

Das Bielefelder Unternehmen Tuxhorn geht von Hause aus gern neue Wege. Vor rund 20 Jahren setzten die Westfalen auf Solarthermie, heute führen sie mit neuer Technik Strom und Wärme im Haus zusammen. Und denken dabei schon weiter.

Farbverfremdetes Titelbild mit Schriftzug "Gesichter der Umweltwirtschaft"

Es war die Zeit der Elektrifizierung, der ersten Autos und Flugzeuge – und eine technologische Aufbruchsstimmung prägte den Zeitgeist, als im Jahr 1919 die Brüder Paul und Otto Tuxhorn ihr gleichnamiges Unternehmen gründeten. Ein wenig davon scheint in die Firmen-DNA übergegangen zu sein, denn bis heute, dem Zeitalter der Energiewende, herrscht Gründergeist in Bielefeld.

Der zeigt sich, wenn unternehmerische Weitsicht auf den Mut zur Veränderung trifft. So beschloss die Geschäftsleitung, nach vielen erfolgreichen Jahren, Mitte der 80er-Jahre, neue Wege zu gehen. Tuxhorn entwickelte ein zukunftsweisendes Baukastensystem für Heizungsanlagen. Für den Monteur vor Ort bedeutete dies weniger Zeitaufwand, für das Unternehmen einen wirtschaftlichen Erfolg.

In die gleiche Zeit fällt die Entscheidung, sich mit alternativen Energien zu beschäftigen. Und auch diese Weichenstellung sollte sich als goldrichtig erweisen: Heute versteht sich Tuxhorn als Vorreiter im Bereich der Solarthermie und stellt die Weichen für einen modernen und umweltbewussten Umgang mit dem Thema der Erzeugung, Nutzung und Umwandlung von Energie.

Die Geschäftsführung hat sich nun aufgemacht, mit einem neuen Produkt die beiden Märkte Wärme und Strom zusammenzuführen. Sektorkopplung heißt das im Fachjargon. Dafür betritt Tuxhorn wieder Neuland. Aber damit hat man ja schon Erfahrung in Bielefeld.

In den 90ern die Chancen gesehen

"Unsere Startkunden waren klassische Ökos", sagt Geschäftsführer Peter Imrecke. Er ist seit 1978 an Bord und hat die Entwicklung des Unternehmens hin zu seiner heutigen Ausrichtung mitgestaltet. Seit fünf Jahren ist er Geschäftsführer. "Wir haben damals die Chance gesehen und uns auf den Weg gemacht", sagt er. Zusammen mit der Photovoltaik ist in den 90er-Jahren auch die Solarthermie bei den Endverbrauchern bekannt worden. Der Staat warb zudem mit attraktiven Förderangeboten. Und Tuxhorn lieferte die benötigten Armaturen. Schon damals beschäftigte sich das Unternehmen damit, wie man die Nutzung der alternativ erzeugten Energie verbessern und mit anderen Bereichen koppeln könnte. Mittlerweile hat der Markt nachgezogen und stellt sich dieselben Fragen, auf die man bei Tuxhorn bereits erste verwertbare Antworten hat. Heute machen Produkte für die erneuerbaren Energien rund die Hälfte des Produktsortiments der Bielefelder aus. Tendenz steigend.

Drei Herren in einer Werkshalle betrachten eine Kupferarmatur
Geschäftsführer Peter Imrecke zeigt Armaturen aus der Fertigung© Gebr. Tuxhorn GmbH & Co.KG

Power to heat für Häuslebauer

Warmwasser aus Photovoltaik für den Eigenverbrauch sei vor zehn Jahren noch ein "No-Go" gewesen, betont Geschäftsführer Stephan Krebs. Die Einspeisung des erzeugten Stroms schien die einzige wirtschaftlich sinnvolle Verwendung dafür zu sein. Heute hingegen stelle sich die Frage danach, was man mit dem Strom sonst noch machen kann, wenn der eigene Bedarf gedeckt und die Netze voll sind – und überdies die attraktiven Einspeisevergütungen bald der Vergangenheit angehören werden. Tuxhorns Antwort lautet: "Power to heat". Der überschüssige Strom wird in Wärme umgewandelt. Denn energieautonome Häuser seien heute keine Utopie mehr, wissen die Unternehmensstrategen. Das "Smart House" ist im Bewusstsein der Menschen angekommen und lässt Häuslebauer wie Fachhandwerker gleichermaßen träumen. Von nahezu unendlichen Möglichkeiten und der Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen und Konzernen. Dabei ist "Power to heat" nur der Anfang. Denn die logische Kette "Sonne – Strom – Wärme" könnte auch "Sonne – Strom – E-Auto" heißen. Den kreativen Möglichkeiten seien keine Grenzen gesetzt, sagen Krebs und sein Führungsteam. Wichtig sei nur, dass der Markt auch reif ist für die technischen Möglichkeiten. Deshalb befindet sich das Unternehmen im ständigen Austausch mit denen, die die Produkte vor Ort verarbeiten. Symposien werden organisiert, auf denen neue Produktentwicklungen vorgestellt werden. "Mit einigen Ideen sind wir auch schon mal zu weit voraus", räumt der Leiter des Produktmanagements, Frank Thole, ein. "Aber da spielt die Zeit für uns und die gute Idee."

Neues Gebäude drückt Unternehmenswerte aus

Der Eindruck entsteht, dass bei Tuxhorn nichts dem Zufall überlassen wird. Der neue Produktionsstandort im Bielefelder Süden spiegelt das Wertebewusstsein des Unternehmens wider. Die Produktionshalle ist angenehm eingerichtet. Die einzelnen Produktionsbereiche sind ergonomisch aufgebaut. Es herrscht eine aufgeräumte Atmosphäre. Auch der Standort selbst ist mit Bedacht gewählt, wie Peter Imrecke betont. "Wir haben uns die Frage gestellt, woher die meisten unserer Mitarbeiter kommen", berichtet der Geschäftsführer. "Denn wir wollten ihnen auch zu lange Arbeitswege ersparen. Somit haben wir uns für Bielefeld-Senne entschieden." Das Gebäude selbst setzt auf Nachhaltigkeit sowie alternative Energien und deren effizienten Einsatz.

Ein modernes Gebäude auf einem weitläufigen Firmengelände
Das neue Tuxhorn-Werk in Bielefeld-Senne© Gebr. Tuxhorn GmbH & Co.KG

Innovation heißt: Was kommt danach?

"Der Paradigmenwechsel in der Energiepolitik geht nicht von heute auf morgen", betont Krebs. "Dafür müssen wir neue Wege denken und gehen." Nur so könne eine sinnvolle Entwicklung vorangetrieben werden. Innovation sei daher für das Unternehmen von größter Bedeutung, ergänzt Thole. "Innovation bedeutet für uns auch immer: Was kommt danach?" Das Vertrauen in die eigene Ingenieursleistung gepaart mit der Faszination am Machbaren und klaren wirtschaftlichen Überlegungen sehen die Geschäftsführer als den Motor bei Tuxhorn an. Man müsse dem Markt immer ein bisschen voraus sein, betont Krebs. Nur so könne man auch weiterhin seine Entwicklungen mitbestimmen. "2030 ist schon übermorgen", sagt er. (hw/lhz)

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Die Tuxhorn GmbH & Co.KG ist ein Unternehmen der nordrhein-westfälischen Umweltwirtschaft. Der Mittelständler hält 15 Patente, beschäftigt rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 20 Millionen Euro. Umweltwirtschaft – Vorsprung für NRW.