Vier junge Erwachsene mit einer Agrardrohne auf einer Wiese

Wirtschaft beflügeln

Die Umweltwirtschaft verbessert mit ihren Innovationen die vorhandenen Wertschöpfungs­ketten und Industrien im Land. So wird die heimische Wirtschaft fit für die Zukunft: umweltverträglicher, unabhängiger von knappen Rohstoffen und widerstandsfähiger gegenüber Klimafolgen. 

Darum geht‘s

Ressourcen schonen, Rohstoffe wiederverwerten und erneuerbare Energien nutzen – die Umweltwirtschaft verbindet einen Nutzen für die Umwelt mit wirtschaftlichem Erfolg. Dabei hat sie sich in den letzten Jahren als krisenfest erwiesen. Mit ihren Innovationen macht sie darüber hinaus auch andere Branchen fit für die Zukunft.

Entwicklung der Erwerbstätigen in NRW

2010–2025

Quelle: Umweltwirtschaftsbericht NRW 2026, S.12

„Mit grüner Technologie schreiben wir schwarze Zahlen und tragen dazu bei, dass unsere Wirtschaft international wettbewerbsfähig ist. Zudem vermeiden wir durch den Einsatz nachhaltiger und ressourcenschonender Produktionsschritte Umweltschäden in Milliardenhöhe.“ 

Oliver Krischer, Umwelt- und Verkehrsminister NRW (2024)

Unerwartete Handelsbeschränkungen, unterbrochene Lieferketten und steigende Energiepreise – in den vergangenen Jahren wurde die Widerstandskraft der heimischen Wirtschaft vielfach auf die Probe gestellt. In der Rückschau zeigt sich: Obgleich anzunehmen wäre, dass in wirtschaftlich schwierigen Zeiten am Umweltschutz eher gespart wird, ist die Umweltwirtschaft in Nordrhein-Westfalen in den zurückliegenden Krisenzeiten immer stärker gewachsen als die Gesamtwirtschaft. Das gilt für die erzielte Wertschöpfung ebenso wie für die Jobs. Aktuell arbeiten 650.000 Erwerbstätige in der nordrhein-westfälischen Umweltwirtschaft (2025). Die Branche erzielte 2025 etwa 60 Milliarden Euro an Bruttowertschöpfung und exportierte Güter im Wert von 15 Milliarden Euro.
 

Ein Grund für die Krisenfestigkeit der Umweltwirtschaft liegt in der Natur ihrer Produkte und Dienstleistungen: Energieeffizienzlösungen sind gerade dann gefragt, wenn Energie teuer ist. Recyclingtechnologien gewinnen an Bedeutung, wenn Primärrohstoffe knapp sind. Und erneuerbare Energien werden umso attraktiver, je unzuverlässiger fossile Lieferketten werden. Diese antizyklische Stärke macht die Umweltwirtschaft zu einem systemischen Stabilitätsfaktor – und zu einem Investitionsfeld, das auch in unsicheren Zeiten Verlässlichkeit bietet.

 

Erwerbstätige

arbeiten 2025 in der nordrhein-westfälischen Umweltwirtschaft

Quelle: Umweltwirtschaftsbericht NRW 2026, S. 12

„Die Umweltwirtschaft entwickelt sich seit 2010 zu einer stabilen Querschnitts­branche, die kontinuierliches Wirtschafts­wachstum generiert, konjunkturellen Schwankungen entgegen­wirkt und sich insgesamt als krisen­resilient erweist.“ 

aus dem Umweltwirtschaftsbericht NRW 2026, S.6

Möglichmacher mit Strahlkraft 

In der Wirtschaftsstatistik steht die nordrhein-westfälische Umweltwirtschaft gut da. Ihre tatsächliche Wirkung ist jedoch um einiges größer als die guten Zahlen sagen. Der Grund dafür liegt in der Hebelwirkung (der sogenannten Enabler-Funktion) umweltwirtschaftlicher Produkte und Innovationen: Sie machen die Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen insgesamt besser. 

Wenn zum Beispiel ein Produktionsprozess dank eines innovativen Brenners weniger Gas verbraucht und künftig auf klimaneutralen Wasserstoff umgestellt werden kann, hilft das der Umwelt und dem Unternehmen. Wenn ein neues Batteriesystem einem Mittelständler ermöglicht, selbst gewonnenen Solarstrom in großer Menge zu speichern und flexibel in der Produktion einzusetzen, werden das Klima, das Stromnetz und das Budget des Unternehmens entlastet.

Natürlich verbessert nicht jede Umweltinnovation direkt die Wettbewerbsfähigkeit. Manche lohnen sich erst aufgrund regulatorischer Rahmenbedingungen wie zum Beispiel Abgasvorschriften oder Recyclingvorgaben. Und dennoch ist immer häufiger die umweltfreundliche Technologie auch die günstigere, selbst wenn man nur auf den direkten wirtschaftlichen Nutzen schaut. Die Photovoltaik zählt beispielsweise dazu, ebenso wie viele moderne Effizienztechnologien.

Green Practice NRW

Hier ist die Zukunft schon Geschäftsmodell

 

„Die Bruttowertschöpfung der Circular Economy könnte sich von heute 60 Milliarden Euro auf bis zu 125 Milliarden Euro im Jahr 2045 mehr als verdoppeln; damit stellt sie gerade auch angesichts der wirtschaftlichen Stagnation der vergangenen Jahre eine Wachstumschance dar.“ 

Boston Consulting Group im Auftrag des BDI (2025):

Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz: Chancen der Circular Economy für die deutsche Industrie, S.2

Rohstoffe sichern mit Kreislaufwirtschaft

Handy, Laptop, Elektroauto – viele heute selbstverständlich genutzte Alltagstechnologien werden mithilfe kritischer Rohstoffe wie Lithium, Kobalt und seltenen Erden produziert. Die Materialien müssen fast immer importiert werden, unterliegen politischer Einflussnahme und fragilen Lieferketten. Die Kreislaufwirtschaft – ein Teil der Umweltwirtschaft – bietet hierfür eine Lösung an: Wer Rohstoffe nach ihrer ersten Nutzung konsequent zurückgewinnt, macht sich unabhängiger von globalen Importen und schützt seine eigene Produktion.

Von diesem Gedanken ausgehend arbeiten in Nordrhein-Westfalen viele Unternehmen und Innovative daran, die unterschiedlichsten Rohstoffe zurückzugewinnen. Dazu müssen zahlreiche Stoffströme analysiert und technische Verfahren entwickelt werden, die sich auch im industriellen Maßstab umsetzen lassen. Derzeit sind rund 35.000 Erwerbstätige in Nordrhein-Westfalen unmittelbar mit der Rückgewinnung und Aufbereitung wertvoller Sekundärrohstoffe befasst, 245.000 sind es in der Kreislaufwirtschaft im Bundesland insgesamt. Tendenz steigend: Eine im Mai 2026 erschienene Studie des Bundesverbands der Industrie (BDI) geht davon aus, dass die Kreislaufwirtschaft in Deutschland das Potenzial hat, ihre Bruttowertschöpfung bis 2045 mehr als zu verdoppeln.

Das nordrhein-westfälische Wirtschafts- und das Umweltministerium haben im September 2026 die erste Kreislaufwirtschaftsstrategie Nordrhein-Westfalen vorgelegt, um die Chancen der Kreislaufwirtschaft systematisch zu nutzen. Denn Nordrhein-Westfalen verfügt über ausgewiesene technologische Kompetenzen sowie international wettbewerbsfähige Unternehmen, die Anlagen, Maschinen und Systemlösungen für moderne Recycling- und Aufbereitungsketten entwickeln und produzieren. Auf diese Weise trägt die Umweltwirtschaft im Land wesentlich zur Ressourcenschonung und Versorgungssicherheit bei.

So stärkt die Umweltwirtschaft Nordrhein-Westfalen in mehrfacher Hinsicht. Denn Umwelttechnologien, Effizienzlösungen und Kreislaufwirtschaftsverfahren senken Produktionskosten, sichern die Rohstoffversorgung und erschließen neue Märkte – quer durch alle Branchen. Die Umweltwirtschaft befeuert die Innovationskraft und Produktivität der Gesamtwirtschaft, macht sie umweltfreundlicher und steigert die Lebensqualität – heute und in Zukunft.