01.04.2026 · Eine Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland sieht großes wirtschaftliches Potenzial in grünen Technologien und erwartet zugleich eine schnellere Umsetzung. Nordrhein-Westfalen ist auf einem guten Weg, zeigen aktuelle Beispiele aus der Industrie.
Eine Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland misst umweltfreundlichen Technologien eine zentrale Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung bei. Gleichzeitig wird der Fortschritt in zentralen Bereichen der grünen Transformation vielfach als unzureichend bewertet. Das zeigt eine aktuelle repräsentative Umfrage des forsa-Meinungsforschungsinstituts im Auftrag der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Demnach halten 80 Prozent der Befragten die Herstellung und den Export umweltfreundlicher Technologien für wichtige Säulen der wirtschaftlichen Zukunft Deutschlands. Zugleich bewerten rund 60 Prozent den Stand Deutschlands in Bereichen wie erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Recycling oder Wasserstoff als durchschnittlich, während 24 Prozent hier einen Rückstand sehen. Eine Mehrheit der Befragten spricht sich für ein höheres staatliches Engagement bei der Unterstützung von Umwelttechnologien aus.
Mit der Umweltwirtschaftsstrategie hat sich Nordrhein-Westfalen bereits vor über zehn Jahren auf diesen Weg begeben. Die Strategie verfolgt das Ziel, die Umweltwirtschaft konsequent weiterzuentwickeln, bis 2030 sollen 800.000 Beschäftigte in der Umweltwirtschaft des Landes tätig sein. Dazu werden Innovationen und umweltorientierte Gründungen gefördert, Unternehmen gezielt unterstützt sowie Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zu den zentralen Themen der Umweltwirtschaft vernetzt.
Für das Industrieland Nordrhein-Westfalen ist dieses Vorgehen von besonderer Bedeutung. Die Umweltwirtschaft hat das Potenzial, die umweltorientierte Umgestaltung industrieller Prozesse in entscheidender Weise voranzubringen. Ihre Innovationen verbessern bereits heute zahlreiche Wertschöpfungsketten, machen unabhängiger von knappen Ressourcen und sparen Energie. Gleich mehrere Beispiele aus der industriellen Chemie unterstreichen die Fortschritte in Nordrhein-Westfalen. So startet im März 2026 das Exzellenzcluster RESOLV (Ruhr Explores Solvation) mit der Eröffnung des neuen Research Center Chemical Sciences and Sustainability in seine dritte Förderperiode. Das Cluster liefert seit 2012 Spitzenforschung für nachhaltige Chemie. In den nächsten Jahren bilden u. a. die Entwicklung innovativer Ansätze, um fossile durch erneuerbare Kohlenstoffquellen zu ersetzen, sowie die Elektrifizierung der Herstellung von Chemikalien – mit dem Ziel, „grünen Strom“ direkt zu nutzen – neue Themenschwerpunkte der Forschungsaktivitäten. Ebenfalls im März 2026 gibt die Evonik AG den Startschuss für die neue „Innovation Factory“ mit Standorten u. a. in Essen und Marl, die die Forschung zu Biotensiden, Biopolymeren und zur grünen Wasserstoffwirtschaft vorantreiben soll. Und im Mai 2026 stellt das Fraunhofer UMSICHT (Oberhausen) auf der IFAT in München mit seinem Projekt „SäureWert“ ein neues Verfahren zur Rückgewinnung von Säuren und wertvollen Ressourcen in Industrie und Chemie vor. Das Vorhaben zielt darauf ab, in der metallverarbeitenden und chemischen Industrie Fortschritte bei der Kreislaufführung von Ressourcen zu erreichen. Bereits im industriellen Maßstab wird eine Anlage für Kunststoffrecycling arbeiten, die derzeit im Kölner Süden entsteht. Das Unternehmen LyondellBasell errichtet hier, gefördert durch den EU-Innovationsfonds der Europäischen Kommission, eine innovative chemische Recyclinganlage, die künftig mit einer Jahreskapazität von 50.000 Tonnen vorsortierte Kunststoffabfälle von ca. 1,2 Millionen Bundesbürgern verarbeiten soll. Das Vorhaben wurde 2025 mit dem NRW.Global Business Award ausgezeichnet und soll noch in diesem Jahr den Betrieb aufnehmen.
