Umweltwirtschaft NRW
Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen
Was ist Umweltwirtschaft?

Abgrenzung und Erfassungsmethodik

Umweltwirtschaft ist kein Begriff in der amtlichen Branchenklassifikation nach Wirtschaftszweigen und Gütergruppen. Um ihre wirtschaftliche Bedeutung belastbar zu analysieren, ist daher eine Abgrenzung erforderlich.

Die Abgrenzung der Querschnittsbranche Umweltwirtschaft muss den folgenden Anforderungen genügen, um aussagekräftige Analyseergebnisse erzielen zu können:

  • Vollständigkeit des Abbilds der Umweltwirtschaft: Darstellung von Märkten und ihren Gütern im  Wertschöpfungsverbund mit aussagekräftigen Indikatoren
  • Konsistenz: klare Qualifizierungskriterien und valide Umsteigeschlüssel
  • Validität: statistische Datenbasis, keine Hochrechnungen aus Umfragen
  • Anschlussfähigkeit an bestehende Studien ermöglicht Vergleiche und orientiert sich am Stand der  Forschungsdiskussion
  • Handlungsrelevanz: Die Abgrenzung der Umweltwirtschaft orientiert sich an Märkten und Wertschöpfungsstrukturen. Damit wird eine Praktikabilität der Ergebnisse für die operative Nutzung in der Wirtschafts- und Standortförderung sowie der Wirtschaft selbst sichergestellt.


Für die Erstellung des Umweltwirtschaftsberichts, der auch den Angaben auf dieser Website zugrunde liegt, wurde hierzu eine mehrstufige Erfassungsmethodik entwickelt. Zunächst wurden bestehende Ansätze ausgewertet. Grundsätzlich lassen sich zwei Kategorien von Ansätzen unterscheiden. Einerseits kann die Definition der Umweltwirtschaft sektoral auf Basis der Wirtschaftszweigklassifikation erfolgen (Top-down-Ansatz). Funktionale bzw. produktbasierte Ansätze identifizieren andererseits die zur Umweltwirtschaft gehörigen Produkte mit Hilfe eines allgemeinen, auf der Basis von der OECD und Eurostat entwickelten Selektionskriteriums – im konkreten Fall ist dies ein näher spezifizierter Umweltnutzen (Bottom-up-Ansatz).

Ein rein sektoraler Ansatz würde auf Grund der unpräzisen Wirtschaftszweigsystematik zu höheren Abgrenzungsschwierigkeiten führen. Ein rein güterbasierter Ansatz greift dagegen zu kurz, da Dienstleistungen im Güterverzeichnis der Produktionsstatistik nur sehr begrenzt abgebildet sind. Diese stellen jedoch einen wesentlichen Bestandteil der Umweltwirtschaft dar. Zudem ist der güterbasierte Ansatz wichtig, damit Innovationen und der Außenhandel detailliert abgebildet werden können. Um den aufgeführten Anforderungen Rechnung zu tragen, wurde ein kombinierter Ansatz entwickelt: Dieser identifiziert sowohl die Wirtschaftszweige als auch die Güter der Umweltwirtschaft und verknüpft sie anschließend unter Verwendung amtlicher Umsteigeschlüssel. Die sektorale Perspektive der Wirtschaftszweige gibt hierbei Aufschluss über den Umfang der Erwerbstätigkeit, Umsätze und Bruttowertschöpfung, während die Betrachtung von Gütern die Analyse von Außenhandels- und Innovationsleistungen ermöglicht. Mittels eines systematischen Abgleichs wird die Umweltwirtschaft als ein neues Gesamtsystem erfasst.

Die statistische Erfassung der Umweltwirtschaft erfolgte über die amtlichen Wirtschaftsstatistiken auf Basis der dieser zugrunde liegenden Systematik der Wirtschaftszweige und der Güterarten. Gemäß den weiter unten beschriebenen Abgrenzungskriterien wurde die Zugehörigkeit jedes klassifizierten Wirtschaftszweigs und Guts zur Umweltwirtschaft geprüft. Zu diesem Zweck erfolgte eine systematische Prüfung der 1.834 Wirtschaftszweige in der aktuellen Klassifikation WZ-2008 und der 7.690 Gütereinträge in der aktuellen Klassifikation GP-2009. Des Weiteren erfolgte ein Matching der identifizierten Wirtschaftszweige und Gütereinträge nach einem Umsteigeschlüssel des Statistischen Bundesamts sowie für einzelne Einträge eine auf Sekundärdaten basierende Schätzung der zu berücksichtigenden Anteile.

Die auf diese Weise identifizierten Wirtschaftszweige und Gütereinträge der Umweltwirtschaft wurden in acht Teilmärkten systematisiert. Jeder Teilmarkt setzt sich dabei aus verschiedenen Marktsegmenten zusammen. Teilmärkte und Marktsegmente dienen als grundlegende Analyseebenen, nach denen die Daten aufbereitet werden. Diese Systematisierung hat eine markt- und handlungsorientierte Einteilung zum Ziel, die sowohl den Akteuren der Umweltwirtschaft als auch den Landesbehörden, regionalen Wirtschaftsförderungsgesellschaften, Regionalverbünden, Städten und Kommunen wertvolle Analysen bieten und Handlungsansätze aufzeigen kann.

In jedem Teilmarkt müssen auch teilmarktübergreifende umweltrelevante Dienstleistungen berücksichtigt werden, um eine vollständige Abbildung der Umweltwirtschaft zu gewährleisten. Zu diesen Dienstleistungen gehören:

  • Forschung und Entwicklung, die häufig interdisziplinär ausgerichtet ist und sämtlichen Teilmärkten als Transmitter zur Entwicklung neuer Technologien  dient,
  • Handwerkliche  Dienstleistungen,  insbesondere Installationsarbeiten, die in verschiedenen Teilmärkten die Implementierung von Umwelttechnologien und -produkten überhaupt erst ermöglichen, und
  • andere Umweltdienstleistungen und Systemlösungen, die entweder dem allgemeinen Umweltschutz dienen oder Umweltschutz durch Systemlösungen betreiben und somit mehrere Teilmärkte betreffen (z. B. Öko- design, IT oder Mess- und Regelungstechnik).

 

Die Erfassungsmethodik mitsamt Abgrenzungsverfahren und Systematisierung wurde in einem Prüf- und Lernprozess von verschiedenen Akteuren begleitet. Ziel war es, die Erfahrungen und Perspektiven relevanter Akteure aufzunehmen und die Erfassungsmethodik zu validieren.

Abgrenzungskriterien

Güter und Wirtschaftszweige der Umweltwirtschaft werden hier anhand eines Kriterienkatalogs identifiziert bzw. abgegrenzt: Erfüllt ein Produkt oder eine Dienstleistung eines der zwei Kriterien „direkter Umweltnutzen“ und „umweltfreundliche Substitute“, ist es Teil der Umweltwirtschaft. Rückgrat der Umweltwirtschaft sind Anbieter von technologischen Produkten und Komponenten, durch deren Einsatz ein Umweltnutzen entsteht (Enabler). Dazu treten spezialisierte Dienstleister (Transmitter) an der Schnittstelle zwischen Technologieentwicklung und Marktdiffusion von Umweltwirtschaftsprodukten.

Hauptkriterium 1: Direkter Umweltnutzen eines Produkts/einer Dienstleistung

Generiert ein Produkt bzw. eine Dienstleistung im Hinblick auf einen Teilmarkt einen direkten Umweltnutzen, ist es bzw. sie Teil der Umweltwirtschaft. Diese Einordnung orientiert sich am Kern der von OECD/Eurostat entwickelten Definition relevanter Aktivitäten, wonach zur Umweltwirtschaft gezählt wird: das Messen, Kontrollieren, Sanieren, Vermeiden, Behandeln, Minimieren und Erforschen von sowie
das Sensibilisieren für Umweltschäden an Luft, Wasser und Boden sowie Probleme bezüglich Abfall, Lärm, Biodiversität und Landschaften und Ressourcenerschöpfung.

Hauptkriterium 2: Umweltfreundliche Alternativprodukte/Substitute

Umweltfreundliche Substitute für konventionelle Produkte werden ebenfalls der Umweltwirtschaft zugerechnet. Somit werden Produkte und Dienstleistungen erfasst, deren Hauptzweck nicht nach der Definition von OECD/ Eurostat primär im Umweltschutz liegt, sondern die als „sauberere“ oder ressourceneffiziente Technologien, Güter und Dienstleistungen umweltfreundliche Alternativen darstellen. Um diese sinnvoll abgrenzen zu können, wird auf die transformative Wirkung der Produkte geachtet. Diese lässt sich nach folgenden Aspekten bemessen:

  • Berücksichtigte  Produkte  müssen  eine Enabler-Funktion besitzen, d. h. von ihnen geht auf Grund ihrer Technologie bzw. Produktbeschaffenheit eine Transformationswirkung auf konventionelle Alternativen mit demselben Produktzweck aus. Ein Beispiel sind etwa aus Elektromotoren, Batterie- und Ladesystemen bestehende Antriebseinheiten für E-Fahrzeuge, die durch ihre innovative Technologie zur Transformation der Mobilität beitragen können und daher berücksichtigt werden.
  • Die transformative Wirkung muss nicht notwendigerweise auf (technologischen) Innovationen begründet sein. Der ÖPNV oder Fahrräder werden beispielsweise als umweltfreundliche Substitute ebenfalls berücksichtigt, da sie durch ihre Produktbeschaffenheit eine klar abgrenzbare Alternative zu umweltschädlicheren Mobilitätsvarianten darstellen. Ihre Wirkung wird durch technologische Innovationen (Enabler-Produkte) noch verstärkt (z. B. e-Antriebe in Bussen).
  • Spezifische Weiterentwicklungen auf systemischer Ebene (Prozessinnovation, neue Geschäftsmodelle etc.) tragen ebenfalls entscheidend zur Transformation bei.


Endprodukte, die sich lediglich durch eine Effizienzsteigerung im Verbrauch auszeichnen, bzw. solche, die aus einer Weiterverarbeitung von berücksichtigten Effizienztechnologien resultieren, können statistisch nicht abgegrenzt werden, da sich unter jeder energie- bzw. ressourcenverbrauchenden Produktgruppe solche ausmachen ließen, die einen geringeren Verbrauch als andere aufweisen. Ein möglicher „Best-in-Class“-Ansatz, bei dem ein gewisser Prozentsatz der effizientesten Produkte berücksichtigt würde, brächte ein Grundrauschen mit sich, das den Blick auf die eigentlichen Technologien versperren würde. In der statistischen Abgrenzung werden daher nur Produkte erfasst, die sich durch ihre Technologie oder Produktbeschaffenheit klar von konventionellen (d. h. umweltschädlicheren) Produkten unterscheiden lassen.

Hilfskriterium: Betrachtung der unterstützenden Wertschöpfungsfunktionen von Umweltwirtschaftsaktivitäten oder -gütern

Dieses Hilfskriterium fungiert als unterstützendes Zuordnungsprinzip, das den Betrachtungshorizont erweitert. Dabei wird die Wertschöpfungsfunktion einer Wirtschaftsaktivität im Zusammenhang mit Umweltwirtschaftsprodukten betrachtet. Neben den technologischen Enablern, die das Rückgrat der Umweltwirtschaft bilden, wird so die wichtige Funktion von Transmittern und Lead Usern ebenfalls gewürdigt. Dienstleistungen oder Güter, die sich als Transmitter oder Lead User als Teil der Umweltwirtschaft qualifizieren, müssen Teil der Wertschöpfung eines bereits identifizierten Umweltwirtschaftsprodukts sein und für dessen Bereitstellung eine besondere Funktion erfüllen:

  • Technologische Enabler: Anbieter von technologischen Produkten und Komponenten, durch deren Einsatz ein Umweltnutzen entsteht. Sie stellen den Kern der Umweltwirtschaft dar.
  • Transmitter: Spezialisierte Dienstleister an der Schnittstelle zwischen Technologieentwicklung und Marktdiffusion von Umweltwirtschaftsprodukten. Sie tragen maßgeblich zur Entwicklung bzw. Verbreitung von Umwelttechnologien bei.

    • anwendungsorientierte  Forschung  und Entwicklung (F&E)
    • Ökodesign
    • Spezialisierte Ingenieurdienstleistungen und spezifische Handwerksleistungen
    • IT-Services

Weitere ökonomische Effekte

Die Abgrenzung ist nicht auf einen spezifischen Abschnitt der Wertschöpfungskette beschränkt oder ausgerichtet. Entscheidend für die Zuordnung einer wirtschaftlichen Tätigkeit oder eines Produkts zur Umweltwirtschaft ist der direkte oder indirekte Umweltnutzen gemäß den dargestellten Kriterien. Die wirtschaftliche Bedeutung der Umweltwirtschaft mit ihrer gesamten vor- und nachgelagerten Wertschöpfung geht somit über die bewusst eng gefasste Abgrenzung deutlich hinaus.

  • Zulieferer: In der Regel lässt sich erst bei Produkten auf höheren Fertigungsstufen ein Umweltnutzen feststellen. Produkte auf niedrigeren Stufen sind hierfür meist noch zu unspezifisch ausgeprägt. Für berücksichtigte Produkte gilt: Vorleistungen hierzu werden nur erfasst, sofern sie sich selbst der Umweltwirtschaft zurechnen lassen. Dies ist der Fall z. B. bei Rotorblättern und Antriebssträngen für Windenergieanlagen und Filtermembranen für Luft- und Abwasserfilteranlagen. Unspezifische Vorleistungen werden nicht erfasst.
  • Lead User: Im Hinblick auf industrielle Güter ist es häufig nicht erst die letzte Verarbeitungsstufe, mit der ein Produkt seinen Umweltnutzen erhält. Beispielsweise haben nachwachsende Rohstoffe einen Umweltnutzen, da sie ein umweltfreundliches Substitut für einen konventionellen Rohstoff darstellen, und sind folglich Teil der Abgrenzung. Produkte, die aus den weiteren Verarbeitungsstufen des Rohstoffs entstehen, werden eigenständig nach ihrem Umweltnutzen beurteilt. Einzelne Unternehmen, die innovative umweltfreundliche Produkte anbieten, zählen zwar zur Umweltwirtschaft, können im Rahmen der zur Verfügung stehenden statistischen Klassifikationen jedoch nicht mit Daten hinterlegt werden. Diese sogenannten Lead User können durch ihre spezifische Nachfrage als Treiber der Entwicklung und Diffusion von Umweltwirtschaftsprodukten gelten und sind somit eng mit dem Kern der Umweltwirtschaft verbunden.
Umsetzung der Kriterien

Die auf Basis der oben dargestellten Kriterien identifizierten Einträge der statistischen Klassifikationen wurden nach folgenden Regeln der Umweltwirtschaft zugeordnet.

Anteilige Berücksichtigung von Wirtschaftszweig- bzw. Gütereinträgen

Die Möglichkeit der Teilberücksichtigung von Wirtschaftszweigen und Gütern erlaubt eine vollständigere und exaktere Abbildung der Teilmärkte der Umweltwirtschaft und hebt sich von einer Vielzahl vorangegangener Studien zur Umweltwirtschaft ab. Auf diese Weise werden zwei problematische Aspekte berücksichtigt:

  • Umgang mit multifunktionalen Gütern (Multiple Use Problematik): Güter, die je nach Verwendungszweck einen Umweltnutzen entfalten können oder auch nicht werden anteilig aufgenommen. Der entsprechende Anteil wird auf Basis verfügbarer Quellen, nach Möglichkeit in Bezug auf Nordrhein-Westfalen, geschätzt.
  • Umweltfreundliche Produkte werden häufig statistisch zusammen mit ihren konventionellen Verwandten erfasst. Beispielsweise werden Biolebensmittel in denselben Einträgen erfasst wie Lebensmittel aus der konventionellen Landwirtschaft. Ihr Anteil wird ebenfalls möglichst fundiert abgeschätzt.
  • Allerdings gilt für beide Fälle eine gewisse Marginalitätsschwelle: Wenn der zu berücksichtigende Anteil als äußerst gering einzuschätzen ist, wird der Eintrag nicht berücksichtigt.

 

Matching von Güter- und Wirtschaftszweigabgrenzung

Soweit möglich, wird eine Deckungsgleichheit zwischen Wirtschaftszweig- und Güterabgrenzung angestrebt.

  • Der Abgleich erfolgt nach einem Umsteigeschlüssel des Statistischen Bundesamts; jedoch lässt sich hier kein vollständig deckungsgleiches Bild erzeugen:

    • die Wirtschaftszweig-Statistik ist umfassend, hat aber einen niedrigeren Detaillierungsgrad. Deshalb lassen sich einige Umweltschutzprodukte unschärfer abgrenzen, was wiederum einen häufigeren Rückgriff auf Anteilsschätzungen notwendig macht;
    • Güter lassen sich dagegen teils sehr detailliert abgrenzen (z.T. sogar mit Zweckbestimmung), werden aber nur eingeschränkt erfasst; zum Beispiel: Keine landwirtschaftlichen Rohprodukte, nur sehr wenige Dienstleistungsbereiche, kein Handel, keine Bauleistungen, etc.

  • Im Sinne der Vollständigkeit der Abbildung und dem Gleichgewicht zwischen den parallel stehenden Listen, werden ergänzende Umschlüsselungen vorgenommen:

    • z.B. werden Sekundärrohstoffe in den Statistiken unterschiedlich erfasst. Während der Wirtschaftszweig „Rückgewinnung sortierter Wertstoffe“ ein breites Spektrum an Wertstoffen umfasst, finden sich die bei dieser Aktivität erzeugten Güter an verschiedenen Stellen in der Güterstatistik wieder
    • in Einzelfällen werden Hilfsvariablen verwendet, da nachhaltig erzeugte Rohstoffe (z.B. nachhaltig erwirtschaftetes Holz oder Biolebensmittel) nur in weiterverarbeiteter Form in der Güterstatistik auftauchen.

 

Nutzung von Doppeleinträgen

  • In unterschiedlichen Teilmärkten werden manche statistischen Einträge mehrfach berücksichtigt (Doppeleinträge), wenn diese verschiedene zu erfassende Produkte bzw. Technologien umfassen. Dies führt auf Grund entsprechender anteiliger Berücksichtigung nicht zu einer überhöhten Gesamtsumme für die Umweltwirtschaft.
  • Für unterschiedliche Marktsegmente innerhalb eines Teilmarkts kann ein Eintrag jedoch aus Gründen der Abbildbarkeit höchstens einmal aufgenommen werden. Daher können Produkte oder Technologien in Einzelfällen auf der Güterseite einem anderen Marktsegment zugeordnet sein als bei den Wirtschaftszweigen, sofern im gleichen Wirtschaftszweig ein größerer Anteil an Produkten und Technologien aus letzterem Marktsegment vertreten ist. Die Teilmärkte selbst bleiben dabei weiterhin vollständig abgebildet.
  • Die Querschnittbereiche Handwerk, F&E, Mess- und Regelungstechnik werden anteilig den relevanten Teilmärkten zugeordnet.

 

Die Erfassung der Wertschöpfung

Diese wird bei Enablerprodukten wird früh abgeschnitten, sofern sich nachgelagerte Aktivitäten nicht als Transmitter oder Lead User qualifizieren. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass nur die Aktivitäten erfasst werden, die die oben genannten Kriterien erfüllen.

Beispielsweise wird bei umweltfreundlichen Materialien oder nachwachsenden Rohstoffen die Bereitstellung des Rohstoffes zur Weiterverarbeitung als Abschlusspunkt der zu erfassenden Aktivität definiert. Im Fall von Holz ist dieser Abschlusspunkt etwa in der Sägeindustrie zu sehen. Weitere Verarbeitungsstufen werden nur erfasst, wenn aus ihnen ein eigener, originärer Umweltnutzen hervorgeht.

Berücksichtigung von Folgeeffekten

Eine umfassende Bewertung der (ökologischen) Folgeeffekte oder eine Ökobilanzierung von Produkten und Technologien kann in diesem Rahmen nicht geleistet werden. Die Bewertung der Folgeeffekte vieler Umwelttechnologien und Produkte sind Gegenstand wissenschaftlicher Kontroversen, die hier statistisch nicht aufgelöst werden können. Im Fokus der Abgrenzungskriterien steht daher das Potenzial umweltschützender Technologien, Güter und Dienstleistungen.

Validierung der Erfassungsmethodik und Abgrenzung

Expertenhearing

Kernelement der Überprüfung und Validierung der Erfassungsmethodik bildete ein Expertenhearing unter Beteiligung von Vertretern aus Wirtschaft, Landesclustern, Wissenschaft und Verbänden. Dabei wurden u.a. folgende Punkte diskutiert:

  • Mit Blick auf die Abgrenzungen wurden verschiedene Grenzfälle reflektiert, die die Abgrenzung vor spezifische Herausforderungen stellt. Zentrale Diskussionspunkte waren dabei die Erfassung von effizienten Produkten, der Umfang der Erfassung von Wertschöpfungsketten, der Umgang mit Dual-Use bzw. Multipurpose-Gütern, und der Umgang mit unterschiedlichen Bewertungen der ökologischen Effekte spezifischer Produkte.
  • Grundsätzlich wurde festgehalten, dass auf Grundlage der vorhandenen wirtschaftsstatistischen Klassifikationen Restriktionen und potenzielle Unschärfen in der Abgrenzung unvermeidlich sind. Die Erfassung wird daher transparent dokumentiert.

 

Abgleich mit Eurostat-Ansatz /WBDU

Die Erfassung der Umsätze mit Waren, Bau- und Dienstleistungen für den Umweltschutz (WBDU) durch die statistischen Landesämter bietet ebenfalls eine statistische Abbildung der Umweltwirtschaft. Sie basiert auf den von Eurostat und der OECD erarbeiteten Empfehlungen zur Abgrenzung der Umweltwirtschaft, die auch für die vorliegende Abgrenzung der Umweltwirtschaft eine wichtige Vorarbeit darstellt. Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Ansätze wurden im Rahmen eines Abstimmungstermins mit dem statistischen Landesamt Nordrhein-Westfalen (IT.NRW) diskutiert. Dabei wurden folgende Aspekte herausgestellt:

  • Die von Eurostat im Hinblick auf die Klassifikationen CEPA (Classification of environmental protection activities) und CReMA (Classification of resource management activities and expenditures) vorgeschlagenen Technologien und Produkte werden mit dem Ansatz des Umweltwirtschaftsberichts Nordrhein-Westfalen weitestgehend abgedeckt.
  • Um die Umweltwirtschaft umfassend abzubilden, soll dieser Ansatz erweitert werden. Nach Eurostat werden einige umweltfreundliche Alternativprodukte (bspw. alle Produkte des Bereichs nachhaltige Mobilität) mit Verweis auf einen nicht-umweltbezogenen Hauptzweck von der Betrachtung ausgeschlossen. Paradoxerweise werden gleichzeitig Produkte im Bereich der Erneuerbare Energien (Hauptzweck: Energiewandlung) unstrittig aufgenommen. Unserer Ansicht nach kann die Abgrenzung daher nicht allein auf der Frage des intendierten Hauptzwecks beruhen. Die Arbeiten von Eurostat werden hier um einen Transformationsansatz erweitert, mittels dem Produkte, die zu einer ökologischen Transformation klassischer Wirtschaftszweige beitragen, als Teil der Umweltwirtschaft betrachtet werden. Hierbei gilt der Blick u.a. auch der nachhaltigen Befriedigung zentraler Bedürfnisse (z.B. Wasserversorgung).

 

Des Weiteren ergeben sich aus der unterschiedlichen Erhebungsmethodik Unterschiede zwischen der Abgrenzung von Eurostat/WBDU und der im vorliegenden Bericht.

  • Während für Primärerhebungen wie WBDU, für die der Eurostat-Ansatz erarbeitet wurde, in Grenzfällen die Umweltschutz-Intention des Produzenten entscheidend dafür ist, kann bei der Sekundärerhebung im vorliegenden Fall die tatsächliche Verwendung betrachtet werden.
  • Eurostat und WBDU sind auf eine sektorale Abgrenzung nach Wirtschaftszweigen (NACE/WZ) ausgerichtet. Im vorliegenden Fall wird darüber hinaus eine funktionale Abgrenzung nach Gütern (GP) vorgenommen. Das erlaubt aufgrund der feineren Gliederung der Güter-Klassifikation mehr Detail in der Abgrenzung und außerdem die zusätzliche Erfassung statistischer Größen zu Forschungs- und Technologieintensität sowie Außenhandel.

 

In Ergänzung zu den Abstimmungsprozessen mit Experten wurden weitere Schritten zur Validierung der Abgrenzung durchgeführt. Einen wesentlichen Überprüfungsschritt stellte das Matching zwischen Wirtschaftszweig- und Güterliste dar, durch das einzelne Lücken gefüllt und Unstimmigkeiten behoben werden konnten. Im Rahmen der Anteilsschätzung wurde jeder Eintrag einzeln auf seine Relevanz hin mit vorliegenden Quellen gespiegelt. Im Zuge dessen wurden auch die Teilmärkte auf Überschneidungen und Kohärenz geprüft.