Umweltwirtschaft NRW
Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen
Impulsforum Umweltwirtschaft 2015

Impulsforum Umweltwirtschaft: Rückblick auf die Veranstaltung

Am 27. August 2015 wurde in Düsseldorf der Umweltwirtschaftsbericht NRW vorgestellt. Gemeinsam mit Wirtschaftsminister Garrelt Duin präsentierte Umweltminister Johannes Remmel vor 300 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Verbänden die Ergebnisse der Erhebung.

Vorträge, Präsentationen und eine hochkarätig besetzte Diskussion standen ebenso auf dem Veranstaltungsprogramm wie das gemeinsame Arbeiten der Gäste an Themeninseln, das Netzwerken und der fachliche Austausch.

Perspektiven für die Umweltindustrie in Nordrhein-Westfalen

Johannes Remmel, Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, begrüßte zusammen mit Wirtschaftsminister Garrelt Duin die Gäste. Er machte in seiner Rede deutlich, welches Potenzial die Umweltwirtschaft für NRW bereithält und wie dieses für NRW noch besser ausgeschöpft werden kann. Gleichzeitig lud er alle Akteure und Akteurinnen ein, an der Weiterentwicklung der Umweltwirtschaftsstrategie aktiv teilzunehmen.

Johannes Remmel, Umweltminister

„Wir befinden uns heute an einem Veranstaltungsort, der sinnbildlich für den Strukturwandel in NRW steht. Das Areal Böhler wurde als Stahlwerk gegründet, heute ist es ein Gewerbepark. Ein Ort also, der für die Sprünge und Umbrüche steht, die unser Land bewältigt. Nun wollen wir uns gemeinsam mit Ihnen auf die nächsten Sprünge vorbereiten, und die Umweltwirtschaft spielt hier eine zentrale Rolle. Aber wer Neues entwickeln will, muss zunächst wissen, wo er steht, um den Aufbruch in die neue Zeit zu schaffen. Der Umweltwirtschaftsbericht NRW liefert hier erstmals zuverlässige Daten. Gleichzeitig markiert er den Auftakt für eine landesweite und ressortübergreifende Strategie, die vier Grundlinien umfasst: Wir wollen fördern und vernetzen, wir wollen Innovationen stärken, den Wissenstransfer verbessern und den Fachkräftemarkt ausbauen. Unseren Vorsprung in der Umweltwirtschaft gilt es auszubauen. Stillstand bedeutet Rückschritt. Ziel ist es, das Potenzial, welches der Bericht verspricht, Realität werden zu lassen, nämlich die Schaffung von 100.0000 neuen Arbeitsplätzen bis 2025. Das kann nicht die Politik, das können nur die Unternehmen. Aber Politik kann wichtige Rahmenbedingungen schaffen. Wir haben z.B. unsere Förderpolitik konzentriert und den Klima- und Umweltschutz gestärkt, über alle Ressorts hinweg. Allein in meinem Haus werden bis 2020 800 Millionen Euro für die Förderung der Umweltwirtschaft bereitgestellt, um Innovationen und Entwicklungen zu unterstützen. In keinem anderen Bundesland wird die Umweltwirtschaft in diesem Umfang in den Fokus gestellt. Es ist aber auch an Ihnen, meine Damen und Herren, das landesweite Netzwerk zu stärken und gemeinsam mit uns Ideen zu entwickeln. Wir können nur gemeinsam die Chancen für NRW wahrnehmen, und daher möchte ich Sie herzlich zum Dialog und zum Mitwirken an diesem Prozess einladen.“

Umweltminister Johannes Remmel beim Vortrag.
(c) MKULNV, Foto: Jörg Pruß

Ein Unternehmen im Aufbruch

Dr. Johannes Teyssen, Vorsitzender des Vorstandes von E.ON SE, gewährte Einblicke in den radikalen Umbruchprozess des global agierenden Energieunternehmens. Dabei erläuterte er, welche Hintergründe die Diskussion um die Aufspaltung des Unternehmens hatten, welche Herausforderungen es zu meistern gilt, und welche Rolle der Bereich der Erneuerbaren Energien dabei spielt.

Dr. Johannes Teyssen im Profil am Rednerpult.
(c) MKULNV, Foto: Jörg Pruß

Dr. Johannes Teyssen, E.ON SE

„Die strategische Entwicklung von E.ON ist eine Entscheidung, die nicht über Nacht gefallen ist. Sie ist das Ergebnis eines monatelangen Analyse- und Strategieprozesses: wohin geht die Energiewirtschaft, was sind technische Möglichkeiten, was sind Innovationen, wie verändern sich Kundenbedürfnisse? Das Ergebnis: Zu den aktuellen Trends zählen Digitalisierung, Flexibilisierung und die Dezentralisierung von Energieerzeugung, -transport und -verbreitung. Ein international agierendes Energieunternehmen kann nur bestehen, wenn es sich radikal auf neue Entwicklungen einstellt. Die Umstrukturierung ist eine Herausforderung, sie ist wie eine Operation durch unser Herz, unsere Geschichte, unsere Herkunft. Es ist das größte Industrieprojekt, was ich je erlebt, geschweige denn verantwortet habe. Aber sie ist richtig und notwendig. Warum? Unser Unternehmen bestand aus zwei unterschiedlichen Bereichen. Wir waren ein Systemunternehmen – mit großen Kraftwerken, Speichersystemen etc. – auf der einen, und ein Anbieter von kleinteiligen und dezentralen Lösungen mit dazugehörigen Netzen auf der anderen Seite. Dies ergab keine wechselseitige Stärkung, sondern Hemmnisse und Schwächung. Wir glauben, dass beide Geschäfte Zukunft haben, aber Selbstständigkeit brauchen. Die Umweltwirtschaft, und dabei insbesondere der Bereich Erneuerbare Energien, spielen in diesem Umbruch eine zentrale Rolle, wir haben hier seit 2007 10 Milliarden Euro investiert und u.a. viele neue Anlagen geschaffen. Dennoch sind wir der Meinung, dass nur der Mix aus konventioneller und neuer Energie Zukunft haben wird.“ 

Der Umweltwirtschaftsbericht NRW – die zentralen Ergebnisse

Christian Böllhoff, geschäftsführender Gesellschafter der Prognos AG, gab einen Einblick in das methodische Vorgehen bei der Erstellung des Umweltwirtschaftsberichts. Er präsentierte die wichtigsten Ergebnisse und Handlungsempfehlungen.

Christian Böllhoff, Prognos AG

„Zum ersten Mal wurde ein Bericht zur Lage der Umweltwirtschaft in einem Bundesland in Auftrag gegeben. Man kann also sagen, dass wir ein Jahr lang so etwas wie Pionierarbeit geleistet haben. Das Ergebnis: 150 Seiten, die die Innovations- und Umsatzstärke der Umweltwirtschaft in NRW belegen. Nordrhein-Westfalen ist mit Abstand der größte Anbieter von Umweltwirtschaft in Deutschland. Mit 1.500 Patentanmeldungen und 320.000 Beschäftigen ist die Umweltwirtschaft Innovations- und Jobmotor. Mit einem Exportvolumen von knapp 8,5 Milliarden Euro im Jahr und einem Weltmarktanteil von 2,1 Prozent ist sie zudem exportstark. Wichtig ist, die Umweltwirtschaft als eine Querschnittsbranche zu begreifen. Gemeinsam mit der Landesregierung haben wir definiert, welche Verfahren, Güter und Dienstleistungen Teil der Umweltwirtschaft sind und wie diese sich in acht Teilmärkte gliedern lassen. Dabei haben wir die Regionen in NRW gesondert betrachtet und regionalspezifische Ergebnisse erhoben. Auf Basis der Erhebung haben wir Handlungsempfehlungen entwickelt. Eine Erkenntnis ist, dass Maßnahmen zur Stärkung der Umweltwirtschaft auf regionaler Ebene ansetzen sollten. Denn jede Region in Nordrhein-Westfalen hat ihr individuelles Profil mit unterschiedlichen Schwerpunkten.“

Christian Böllhoff hinter dem Rednerpult.
(c) MKULNV, Foto: Jörg Pruß

Die Umweltwirtschaft in NRW effektiv fördern: Strategien und Maßnahmen

Diskussionsrunde: Wie können Wirtschaft und Politik an einem Strang ziehen, um die Umweltwirtschaft in NRW auszubauen? Was muss auf regionaler Ebene, was auf internationaler Ebene getan werden? Und birgt der Fachkräftemangel die Gefahr, das Wachstum auszubremsen? Fragen, die Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Organisationen gemeinsam diskutierten.

Garrelt Duin, Wirtschaftsminister NRW

„Moderne Industrie und ökologische Nachhaltigkeit sind kein natürlicher Widerspruch, im Gegenteil. Das zeigt der vorliegende Umweltwirtschaftsbericht eindrucksvoll auf. In der Umweltwirtschaft steckt noch viel Potenzial für die Unternehmen und den Wirtschaftsstandort NRW. Deshalb ist die Umweltwirtschaftsstrategie im Koalitionsvertrag verankert. Mit unserer Umweltwirtschaftsstrategie wollen wir ressortübergreifend als Landesregierung vorhandene Potenziale heben und ausbauen. Wir wollen Unternehmen Perspektiven aufzeigen und speziell in den jeweiligen Regionen ein Umfeld schaffen, in dem Unternehmen Netzwerke aufbauen können. Unsere Aufgabe besteht jetzt darin, Unternehmen über Möglichkeiten im Markt zu informieren und ihnen eine Plattform zu bieten, um sie mit Wirtschaftsförderern oder für sie relevanten Hochschulen zusammen zu bringen. Auch auf dem internationalen Markt, wie zum Beispiel in China, wo die Umweltwirtschaft eine immer stärkere Rolle spielt, können wir Zugänge schaffen, zum Beispiel durch Wirtschaftsreisen oder der Präsenz auf Messen.“

Garrelt Duin, Wirtschaftsminister von NRW, im Gespräch.
(c) MKULNV, Foto: Jörg Pruß
Dr. Johannes Teyssen im Gespräch mit den anderen Gästen.
(c) MKULNV, Foto: Jörg Pruß

Dr. Johannes Teyssen, Vorstandsvorsitzender E.ON SE

„Viele Unternehmen arbeiten schon jetzt an speziellen Lösungen, ohne sich selbst als Teil der Umweltwirtschaft zu verstehen. Der Umweltwirtschaftsbericht kann hier einen Anstoß geben, dass sich diese Unternehmen als Teil der Umweltwirtschaft sehen. Wir wollen als weltweit operierender Energiekonzern unsere Anstrengungen für eine klima- und umweltschonende Energieversorgung mit anderen Unternehmen vernetzen und auf Dauer zu einem Wirtschaftssystem beitragen, das Ökonomie und Ökologie in Einklang bringt.“

Dr. Peter Jahns in der Gesprächsrunde.
(c) MKULNV, Foto: Jörg Pruß

Dr. Peter Jahns, Geschäftsleiter der Effizienz-Agentur NRW

„Unser Ziel ist es, das Bewusstsein für einen integrierten Umweltschutz nach vorne zu bringen. Wir haben in den vergangenen Jahren bereits viele Erfahrungen sammeln können, auf die wir nun aufbauen. Wichtig ist, dass dieser Prozess alle mitnimmt: die Konsumenten, den Handel und die produzierenden Unternehmen. Alle Branchen müssen hierfür – und zwar branchenübergreifend – an einem Strang ziehen. Nur so können wir das Potenzial, das die Umweltwirtschaft bietet, effektiv nutzen. Außerdem ist es uns ein Anliegen, das Thema ressourcenschonendes Wirtschaften voranzubringen. Alle Produkte der Wertschöpfungskette sollten langfristig aus nachhaltigen Rohstoffen bestehen.“

Herwart Wilms, Geschäftsführer Remondis AG

„Aus Unternehmenssicht stellen wir fest, dass der Bereich der Umweltwirtschaft zunehmend an Attraktivität gewinnt und die Netzwerke wachsen. Warum ist die Umweltwirtschaft sexy? Weil sie auch dazu beitragen kann, Kosten zu senken. Wer früher bei manchem Vorstand noch als Ökofreak galt, ist heute ein geschätzter Kostensenker. Auch in Sachen Fachkräfte bietet die Umweltwirtschaft Potenzial. Es ist sinnstiftend, etwas für die Umwelt zu tun. Und die Sinnhaftigkeit einer Tätigkeit ist für junge Menschen genauso wichtig wie das Gehalt. Aber auch für Minderqualifizierte bietet sie viele Chancen, das finde ich wichtig. Von der Politik wünsche ich mir die Schaffung verlässlicher Rahmenbedingungen. Beispiel Rohstoffe: Wir sind die erste Generation, die weiß, dass bestimmte Rohstoffe zuneige gehen. Diese Erkenntnis schlägt sich aber nicht im Markpreis nieder. Die Wiedergewinnung der Rohstoffe ist immer noch teurer als das Primärprodukt, hier muss die Politik handeln.“

Der Geschäftsführer der Remondis AG, Herwart Wilms, diskutiert in der Gesprächsrunde.
(c) MKULNV, Foto: Jörg Pruß

Dr. Andreas Dietz, Vice-President der Altana AG

„Nicht jeder denkt beim Stichwort Chemie an Umweltwirtschaft, aber für uns ist das ein ganz wichtiger Markt. Das Unternehmen identifiziert sich sehr stark mit der Umweltwirtschaft. Wir sind hier als Transmitter aktiv und tragen dazu bei, Endprodukte besser zu machen. Für Windräder produzieren wir z.B. Drahtlacke für beschichtete Kupferdrähte. Die Isolierung steigert die Effizienz um bis zu zehn Prozent. Wir sind konstant dabei, aktiv nach Chancen im Bereich der Umweltwirtschaft zu suchen. Dafür haben wir eigens ein Labor eingerichtet und suchen die Zusammenarbeit mit StartUps. Ich denke, die Unternehmen müssen sich hier ganz stark eigenständig engagieren und die Potenziale für sich entdecken, die Politik kann hier nur am Rande unterstützen. Natürlich ist der Fachkräftemangel auch ein Thema für uns. Hier kann die Politik dazu beitragen, für die MINT-Fächer zu werben und die Einwanderung als Chance gegen den Mangel zu nutzen.“

Dr. Andres Dietz gestikuliert und spricht ins Mikrofon.
(c) MKULNV, Foto: Jörg Pruß
Der Geschäftsführer der Pro Wirtschaft GT, Albrecht Pförtner, spricht ins Mikrofon.
(c) MKULNV, Foto: Jörg Pruß

Albrecht Pförtner, Geschäftsführer pro Wirtschaft GT

„Die Umweltwirtschaft bietet ein Wachstumspotenzial für die Betriebe in unserer Region und in ganz NRW. Unsere Aufgabe wird nun sein, mit dem Umweltwirtschaftsbericht ganz konkret zu arbeiten und zu schauen, wo wir gute Marktchancen umsetzen können. Diese müssen wir außerdem sichtbar machen – auch mithilfe von intensiver Beratung der Unternehmen, und hier wünsche ich mir Unterstützung von der Effizienzagentur. Mit unserer Arbeit haben wir den Mittelstand im Fokus. Und der Mittelstand will anpacken. Also Vorsicht mit der Ankündigung von Netzwerken. Lieber erst einmal was tun, Märkte und Wertschöpfung schaffen und dann übers Netzwerken sprechen, das wäre hier meine Empfehlung. Außerdem müssen wir das Know-how vor Ort nutzen, nur so können wir Wachstum und Ideen für neue Projekte animieren. Konkret kann das so funktionieren, dass wir zehn Unternehmen und einen Berater an einen Tisch setzen. Dieser erste Schritt ist eigentlich ganz einfach, und dennoch sehr effektiv.“

Gemeinsame Diskussion und Vertiefung an den Themeninseln

Nach der Diskussionsrunde leitete Umweltminister Remmel zu der Arbeit an den Themeninseln über. Hier waren alle Gäste zur aktiven Teilnahme aufgefordert. Jede Themeninsel beschäftigte sich mit einem Teilmarkt der Umweltwirtschaft – von Erneuerbaren Energien bis hin zur Wasserwirtschaft oder der Holz- und Forstwirtschaft.

Nach der Vorstellung der teilmarktspezifischen Ergebnisse aus dem Umweltwirtschaftsbericht wurden gemeinsam die Stärken und Schwächen des Teilmarktes diskutiert und Handlungsempfehlungen weiterentwickelt. Diskussionsgrundlage war hierbei die Publikation Impulse für die Umweltwirtschaft. Die Dokumentationen der Themeninseln finden Sie auf dieser Seite zum Download. 

Ausblick

Das Impulsforum war der Auftakt für einen landesweiten Dialogprozess zum Thema Umweltwirtschaft in NRW. In regionalen Standortforen und branchenspezifischen Wirtschaftsforen sollen mit  allen landesweit relevanten Akteuren und Akteurinnen Handlungsschwerpunkte zur Stärkung der Umweltwirtschaft in NRW diskutiert und weiterentwickelt werden.

Die Anregungen und Ergebnisse aller Veranstaltungen werden dokumentiert und fließen in einen Masterplan Umweltwirtschaft der Landesregierung ein.